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Was kostet ein Waschgang wirklich?

Von Maik Möhring, Herausgeber · Zuletzt aktualisiert am 29. August 2026

Schemazeichnung: Kosten eines Waschgangs aus Strom, Wasser und Waschmittel
Der Strom für das Aufheizen ist der größte Anteil (Symbolbild, KI-generiert)
Kurz gesagt

Eine allgemeingültige Zahl gibt es nicht – der Verbrauch hängt von Gerät, Programm und Beladung ab. Aber du kannst es in fünf Minuten selbst ausrechnen, und dafür brauchst du nur zwei Werte: den Verbrauch je Waschgang und deinen Arbeitspreis von der Stromrechnung.

Was kostet ein Waschgang? Die Antwort auf diese Frage wird meist mit einer Durchschnittszahl gegeben, die für deine Maschine nicht stimmt. Sinnvoller ist die eigene Rechnung – zumal du sie ohnehin brauchst, wenn du überlegst, ob sich ein neues Gerät lohnt.

Die beiden Werte, die du brauchst

Erstens der Verbrauch deiner Maschine. Er steht auf dem Energielabel und im Produktdatenblatt, angegeben in Kilowattstunden je 100 Waschgänge. Ein Wert von 50 bedeutet also 0,5 Kilowattstunden pro Durchgang. Findest du die Unterlagen nicht mehr, kannst du das Datenblatt über die EPREL-Datenbank der EU abrufen – dort sind alle in der EU verkauften Geräte hinterlegt.

Zweitens dein Arbeitspreis. Er steht auf deiner Stromrechnung in Cent je Kilowattstunde. Nimm nicht den Durchschnittspreis aus einer Meldung, sondern deinen eigenen – die Spanne zwischen Tarifen ist erheblich.

Was kostet ein Waschgang: die Rechnung

Verbrauch je Waschgang mal Arbeitspreis ergibt die Stromkosten. Dazu kommt das Wasser: Der Verbrauch steht ebenfalls im Datenblatt, in Litern je Waschgang. Multipliziert mit deinem Wasserpreis inklusive Abwasser, den du auf der Nebenkostenabrechnung findest.

Ein gerechnetes Beispiel mit klar benannten Annahmen: Bei 0,5 Kilowattstunden je Waschgang und einem angenommenen Arbeitspreis von 35 Cent kostet der Strom 17,5 Cent. Bei 45 Litern Wasser und einem angenommenen Gesamtpreis von 5 Euro je Kubikmeter kommen 22,5 Cent dazu. Zusammen also 40 Cent, plus Waschmittel.

Setz deine eigenen Zahlen ein – das Ergebnis kann deutlich abweichen, gerade nach oben, wenn die Maschine älter ist.

Warum das Eco-Programm gewinnt

Der häufigste Irrtum: Ein Programm, das drei Stunden läuft, müsse mehr verbrauchen als eines, das in einer Stunde durch ist. Tatsächlich verbraucht nicht die Laufzeit den Strom, sondern das Aufheizen des Wassers.

Das Eco-Programm wäscht deutlich kühler und gleicht das durch längere Einwirkzeit aus. Deshalb ist es das Programm, an dem die Energieeffizienz von Waschmaschinen gemessen wird.

Umgekehrt gilt: Kurzprogramme sind selten sparsam. Sie heizen in kurzer Zeit stark auf und nutzen oft mehr Wasser, um in weniger Zeit dieselbe Wirkung zu erreichen.

Der größte Hebel ist die Temperatur

Zwischen 30 und 60 Grad liegt beim Stromverbrauch typischerweise mehr als der Faktor zwei. Wer normal verschmutzte Alltagswäsche bei 30 statt 40 Grad wäscht, spart spürbar – und moderne Waschmittel sind auf niedrige Temperaturen ausgelegt.

Eine Einschränkung, die dazugehört: Wer dauerhaft kühl wäscht, begünstigt Biofilm im Gerät. Ein Durchgang im Monat bei 60 Grad oder mehr hält das System sauber. Warum das nötig ist, steht unter Waschmaschine stinkt.

Was sonst noch ins Gewicht fällt

Die Beladung. Eine halb gefüllte Trommel verbraucht fast so viel wie eine volle. Zwei Drittel Füllhöhe sind das Optimum – darüber leidet die Reinigung, darunter zahlst du für Luft.

Das Vorwaschprogramm. Es fügt einen kompletten zusätzlichen Waschgang hinzu und ist bei normaler Wäsche überflüssig.

Die Waschmitteldosierung. Sie kostet nicht nur Geld, sondern erzeugt bei Überdosierung Rückstände. Richte dich nach der Wasserhärte deiner Region, nicht nach der Markierung im Deckel.

Was kostet ein Waschgang im Jahr?

Multipliziere den Betrag mit deiner tatsächlichen Zahl an Waschgängen. Ein Zwei-Personen-Haushalt kommt oft auf zwei bis drei Durchgänge pro Woche, also grob 130 im Jahr.

Diese Jahressumme ist die Zahl, die du brauchst, wenn du über ein neues Gerät nachdenkst: Kaufpreis geteilt durch die jährliche Ersparnis ergibt die Amortisationsdauer. Wie du das gegen Reparaturkosten abwägst, steht unter reparieren oder neu kaufen.

Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass die Herstellung eines Neugeräts Emissionen verursacht, die keine Effizienzklasse zurückholt – ein Punkt, den reine Verbrauchsrechnungen unterschlagen.

Wenn der Verbrauch plötzlich steigt

Ein deutlich höherer Verbrauch ohne geänderte Gewohnheiten hat meist eine mechanische Ursache. Häufig ist es die Heizung: Verkalkt sie, braucht das Aufheizen länger. Ebenso kann ein defekter Temperaturfühler dazu führen, dass zu lange geheizt wird.

Bricht die Maschine dabei ab, sieh dir die Meldung im Bereich Waschmaschine an. Weitere geräteübergreifende Themen findest du im Ratgeber.

Häufige Fragen

Wo finde ich den Verbrauch meiner Maschine?

Auf dem Energielabel und im Produktdatenblatt. Beide geben den Wert in Kilowattstunden je 100 Waschgänge an – geteilt durch 100 ergibt das den Verbrauch je Durchgang.

Warum spart das Eco-Programm, obwohl es länger läuft?

Weil nicht die Laufzeit den Strom verbraucht, sondern das Aufheizen des Wassers. Eco wäscht kühler und gleicht das durch längere Einwirkzeit aus.

Ist ein Kurzprogramm sparsamer?

Meist nicht. Es heizt in kurzer Zeit stark auf und nutzt oft mehr Wasser, um dieselbe Reinigungsleistung zu erreichen.

Wie viel macht die Temperatur aus?

Sie ist der größte Einzelhebel. Zwischen 30 und 60 Grad liegt der Unterschied im Stromverbrauch typischerweise bei mehr als dem Doppelten.

Lohnt sich der Warmwasseranschluss?

Nur wenn das Warmwasser günstiger erzeugt wird als Strom, etwa über Solarthermie. Bei einem Elektroboiler verschiebt sich der Verbrauch nur.

Rechnet sich ein neues Gerät wegen des Verbrauchs?

Rechne die jährliche Ersparnis aus und teile den Kaufpreis dadurch. Häufig liegt die Amortisation jenseits der Lebensdauer des neuen Geräts.