Einen Wickeltisch selber bauen ist eine hervorragende Möglichkeit, ein Möbelstück zu schaffen, das perfekt auf Ihre Bedürfnisse und den verfügbaren Platz zugeschnitten ist. Es vereint Funktionalität mit persönlichem Stil und kann nach der Wickelzeit oft weitergenutzt werden. Dieser Artikel führt Sie durch die Planung, Materialauswahl und den Bau Ihres individuellen Wickeltisches, wobei Sicherheit und Ergonomie stets im Vordergrund stehen.
Lesezeit: ca. 9 Minuten
Das Wichtigste in Kuerze
- Individuelle Gestaltung passend zu Raum und Bedürfnissen.
- Potenzielle Kostenersparnis von bis zu 100 Euro gegenüber Fertigprodukten.
- Hohe Sicherheit durch stabile Konstruktion und Beachtung von Normen wie DIN EN 12221.
- Lange Nutzungsdauer durch Umfunktionierung nach der Wickelzeit als Kommode oder Regal.
- Ergonomische Arbeitshöhe für rückenschonendes Wickeln.
Inhaltsverzeichnis
Einen Wickeltisch selber bauen ist eine lohnende Aufgabe für angehende oder erfahrene Eltern, die Wert auf Individualität und Funktionalität legen. Das Bauen ermöglicht es, ein Möbelstück zu gestalten, das exakt den räumlichen Gegebenheiten und persönlichen Vorstellungen entspricht. Zudem kann dies eine kostengünstige Alternative zum Kauf von Fertigprodukten sein, wobei die Sicherheit des Babys stets oberste Priorität hat. Mit einer durchdachten Planung und sorgfältiger Umsetzung entsteht eine sichere und praktische Wickelstation, die den Alltag erleichtert.

Warum einen Wickeltisch selber bauen?
Die Entscheidung, einen Wickeltisch selbst zu bauen, bringt diverse Vorteile mit sich. Einer der Hauptgründe ist die Möglichkeit der individuellen Anpassung. Sie können die Maße, die Höhe, das Design und die Anzahl der Staufächer genau auf Ihre Bedürfnisse und den verfügbaren Platz abstimmen. Dies ist besonders vorteilhaft, wenn Standardmodelle nicht passen oder spezielle Anforderungen bestehen, wie etwa ein Wickeltischaufsatz für eine vorhandene Kommode.
Ein weiterer wichtiger Aspekt ist die Kostenersparnis. Während hochwertige Wickelkommoden schnell mehrere hundert Euro kosten können, lassen sich die Materialkosten für einen selbstgebauten Wickeltisch oft deutlich reduzieren. Erfahrungsberichte zeigen, dass die Materialkosten für einen DIY-Wickeltisch bei etwa 75 bis 100 Euro liegen können, wenn man auf gängige Holzarten und einfache Konstruktionen setzt.
Zudem bietet der Selbstbau eine hohe Flexibilität für die zukünftige Nutzung. Viele selbstgebaute Wickeltische sind so konzipiert, dass sie nach der Wickelzeit problemlos in eine normale Kommode, ein Regal selber bauen oder sogar einen Schreibtisch selber bauen umfunktioniert werden können. Dies verlängert die Lebensdauer des Möbelstücks erheblich und macht es zu einer nachhaltigen Investition.
Sicherheit geht vor: Die wichtigsten Aspekte
Beim Bau eines Wickeltisches hat die Sicherheit Ihres Babys absolute Priorität. Ein Sturz vom Wickeltisch gehört zu den häufigsten Unfällen im ersten Lebensjahr. Es ist daher unerlässlich, immer eine Hand am Kind zu haben und den Wickeltisch stabil und sicher zu gestalten.
Beachten Sie folgende Punkte für maximale Sicherheit:
- Stabilität und Standfestigkeit: Der Wickeltisch muss absolut stabil stehen und darf nicht wackeln. Eine Befestigung an der Wand wird dringend empfohlen, um ein Kippen zu verhindern, insbesondere wenn das Kind älter wird und sich hochziehen kann.
- Seitliche Begrenzungen: Die Wickelfläche sollte an mindestens drei Seiten (hinten und seitlich) erhöhte Ränder von mindestens 15-20 cm Höhe aufweisen, um ein Herunterrollen des Babys zu verhindern.
- Materialwahl: Verwenden Sie unbehandelte oder schadstofffreie Hölzer und Lacke, die für Kindermöbel zugelassen sind. Achten Sie auf glatte Oberflächen ohne Splitter oder scharfe Kanten.
- Abgerundete Ecken: Scharfe Ecken und Kanten sollten abgerundet oder mit Kantenschutz versehen werden, um Verletzungen vorzubeugen.
- Ergonomische Höhe: Die Wickelhöhe sollte so gewählt werden, dass Sie Ihr Baby bequem und rückenschonend wickeln können, ohne sich zu bücken. Eine Höhe, bei der Sie im aufrechten Stand die Hände mit angewinkelten Ellenbogen auf das Baby legen können, ist ideal.
- Sicherheitsnormen: Auch wenn es sich um einen Eigenbau handelt, orientieren Sie sich an gängigen Sicherheitsnormen für Kindermöbel. Die DIN EN 12221 legt beispielsweise Anforderungen für Wickeleinrichtungen fest. Weitere Informationen zur Kindersicherheit finden Sie auf der Webseite des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG).
Planung und Design Ihres Wickeltisches
Bevor Sie mit dem Bau beginnen, ist eine detaillierte Planung entscheidend. Überlegen Sie sich, welche Art von Wickeltisch Sie benötigen:
- Freistehender Wickeltisch: Eine eigenständige Konstruktion, oft mit integrierten Regalen oder Schubladen.
- Wickelaufsatz für eine Kommode: Eine praktische Lösung, um eine vorhandene Kommode (z.B. IKEA Hemnes oder Malm) in eine Wickelkommode zu verwandeln.
- Wandklappwickeltisch: Ideal für kleine Räume, da er bei Nichtgebrauch hochgeklappt werden kann.
Messen Sie den verfügbaren Platz genau aus und berücksichtigen Sie dabei auch den Bewegungsspielraum. Die übliche Größe einer Wickelauflage liegt bei etwa 75×85 cm, daher sollte die Wickelfläche entsprechend dimensioniert sein. Planen Sie ausreichend Stauraum für Windeln, Kleidung, Cremes und andere Utensilien ein, damit alles griffbereit ist.
Materialien und Werkzeuge für Ihren Wickeltisch
Die Auswahl der richtigen Materialien und Werkzeuge ist entscheidend für ein stabiles und sicheres Ergebnis. Für den Bau eines Wickeltisches eignen sich verschiedene Holzarten.
Benötigte Werkzeuge:
- Akkuschrauber mit passenden Bohrern und Bits
- Stichsäge oder Handkreissäge (für präzise Schnitte)
- Schleifgerät oder Schleifpapier
- Maßband, Zollstock, Wasserwaage, Winkel
- Holzspachtel, Klemmzwingen
- Schutzbrille und Atemmaske (beim Sägen und Schleifen)

Schritt-für-Schritt zum eigenen Wickeltisch
Die genaue Anleitung variiert je nach gewähltem Design (freistehend, Aufsatz, Klappwickeltisch). Hier ist ein allgemeiner Ablauf:
1. Zuschnitt der Holzplatten
Lassen Sie die Holzplatten im Baumarkt präzise auf die gewünschten Maße zuschneiden. Dies spart Zeit und sorgt für exakte Kanten, was für die Stabilität entscheidend ist. Achten Sie darauf, dass alle Schnittkanten glatt und splitterfrei sind.
2. Vorbereitung und Schleifen
Schleifen Sie alle Holzteile gründlich ab, insbesondere die Kanten. Beginnen Sie mit grober Körnung und arbeiten Sie sich zu feinerer Körnung vor, bis alle Oberflächen glatt und frei von Splittern sind. Dies ist wichtig für die Sicherheit des Babys und für eine schöne Optik.
3. Montage des Korpus oder Aufsatzes
Verbinden Sie die Hauptteile Ihres Wickeltisches. Bei einem freistehenden Wickeltisch montieren Sie die Seitenwände, den Boden und eventuelle Zwischenböden. Bei einem Wickelaufsatz schrauben Sie die Seiten- und Rückwände auf die Grundplatte. Verwenden Sie Schrauben und Holzleim für eine dauerhaft stabile Verbindung.
4. Anbringung der seitlichen Begrenzungen
Befestigen Sie die Holzleisten als Begrenzungen rund um die Wickelfläche. Diese sollten stabil verschraubt und verleimt werden. Achten Sie auf eine ausreichende Höhe (mindestens 15-20 cm) und abgerundete Kanten.
5. Oberflächenbehandlung
Behandeln Sie das Holz mit einem kindersicheren Holzöl, Lack oder einer Lasur. Dies schützt das Holz, erleichtert die Reinigung und verleiht dem Wickeltisch ein schönes Finish. Lassen Sie die Oberflächen gut trocknen und lüften Sie den Raum ausgiebig, bevor das Möbelstück genutzt wird.
6. Sichere Wandbefestigung
Befestigen Sie den Wickeltisch unbedingt an der Wand, um ein Kippen zu verhindern. Verwenden Sie hierfür stabile Winkel und passende Dübel für Ihre Wandbeschaffenheit. Dies ist ein kritischer Sicherheitsschritt, der nicht übersprungen werden sollte.
7. Integration von Stauraum
Optimieren Sie den Stauraum mit Regalböden, Körben oder kleinen Schubladen. Für mehr Ordnung können Sie auch einen Schrank selber bauen oder integrierte Fächer hinzufügen, um Windeln, Kleidung und Pflegeprodukte griffbereit zu haben.
Oft gestellte Fragen zum Wickeltisch selber bauen
Wie hoch sollte ein Wickeltisch sein?
Die ideale Höhe eines Wickeltisches liegt zwischen 85 und 95 cm, abhängig von der Körpergröße der wickelnden Person. Er sollte so hoch sein, dass Sie bequem aufrecht stehen und Ihr Baby ohne Rückenbelastung wickeln können.
Welches Holz eignet sich am besten für einen Wickeltisch?
Robuste und splitterfreie Hölzer wie Buche, Birke (Multiplexplatten) oder Fichte eignen sich gut. Wichtig ist, dass das Holz unbehandelt ist oder mit kindersicheren, schadstofffreien Lacken oder Ölen behandelt wird.
Kann ich einen Wickeltisch aus alten Möbeln bauen?
Ja, eine stabile Kommode kann mit einem passenden Wickelaufsatz umfunktioniert werden. Achten Sie darauf, dass das Basismöbelstück sehr stabil ist und der Aufsatz sicher daran befestigt werden kann.
Wie sichere ich den Wickeltisch an der Wand?
Verwenden Sie stabile Metallwinkel und passende Schrauben und Dübel. Bohren Sie Löcher in den Wickeltisch und die Wand und verschrauben Sie die Winkel fest. Dies ist entscheidend, um ein Kippen des Tisches zu verhindern.
Welche Alternativen gibt es zum klassischen Wickeltisch?
Neben dem selbstgebauten Wickeltisch gibt es Wickelaufsätze für Waschmaschinen oder Badewannen, oder auch mobile Wickelunterlagen. Ein selbstgebauter Wickeltisch bietet jedoch oft die beste Kombination aus Stabilität, Stauraum und Ergonomie.
Fazit: Wickeltisch selber bauen
Einen Wickeltisch selber bauen ist eine bereichernde Erfahrung, die Ihnen nicht nur ein funktionales und optisch ansprechendes Möbelstück beschert, sondern auch die Gewissheit gibt, dass es den höchsten Sicherheitsstandards entspricht. Mit sorgfältiger Planung, der Auswahl geeigneter Materialien und der Beachtung der Sicherheitshinweise schaffen Sie eine individuelle Wickelstation, die den Alltag mit Ihrem Baby erleichtert und später vielseitig weitergenutzt werden kann. Die Investition in Zeit und Mühe zahlt sich durch ein maßgeschneidertes, sicheres und nachhaltiges Möbelstück aus.



