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Furnier erneuern: Altes Furnier ersetzen & Möbel auffrischen

27. Februar 2026 · Ariane Nagel

Deine Lieblingskommode hat unschöne Kratzer, oder das Furnier löst sich vom alten Schrank? Dann ist es Zeit, das Furnier zu erneuern. Mit etwas Geschick und den richtigen Schritten verleihst du deinen Möbeln einen frischen Look, ganz ohne teuren Neukauf. Wir zeigen dir, wie du beschädigtes Furnier selbst austauschst oder auffrischst.

Furnier zu erneuern bedeutet, beschädigte Holzfurniere auf Möbeln zu entfernen und durch neue Blätter zu ersetzen oder lose Stellen wieder zu befestigen. Das gelingt oft mit Hitze (Bügeleisen) oder speziellem Holzleim, um dem Möbelstück eine frische Optik zu geben und seine Lebensdauer zu verlängern.

Das Wichtigste in Kürze

  • Altes Furnier lässt sich oft mit Hitze (Bügeleisen oder Heißluftföhn) oder Feuchtigkeit lösen und entfernen.
  • Der Untergrund muss vor dem Anbringen neuen Furniers sauber, glatt und fettfrei sein.
  • Neues Furnier kannst du entweder aufbügeln (falls es mit Schmelzkleber beschichtet ist) oder mit Holzleim aufkleben.
  • Sägefurniere sind die dicksten (1-5 mm) und teuersten Furniere, während Messerfurniere (0,4-1,9 mm) am häufigsten im Möbelbau verwendet werden.
  • Kleine Blasen oder Risse im Furnier lassen sich oft mit Leim und einem Bügeleisen reparieren.

Warum Furnier erneuern?

Alte Möbelstücke haben oft einen besonderen Wert. Sie erzählen Geschichten und bringen Charakter in dein Zuhause. Doch mit der Zeit zeigen sich Gebrauchsspuren: Kratzer, Abplatzungen oder unschöne Wasserflecken. Hier kommt das Furnier erneuern ins Spiel. Es ist eine nachhaltige Methode, um:

  • Beschädigungen zu beheben: Risse, Blasen oder fehlende Stücke lassen sich durch neues Furnier kaschieren oder ersetzen.
  • Einen neuen Look zu schaffen: Du kannst deinen Möbeln ein völlig anderes Aussehen geben, indem du ein Furnier mit einer neuen Holzart oder Maserung wählst.
  • Nachhaltig zu handeln: Statt alte Möbel wegzuwerfen, gibst du ihnen ein zweites Leben. Das schont Ressourcen und deinen Geldbeutel.

Altes Furnier entfernen: Die Vorbereitung

Bevor du neues Furnier anbringen kannst, muss das alte, beschädigte Furnier runter. Das ist der aufwendigste Schritt, aber mit den richtigen Techniken gut machbar.

Werkzeuge und Materialien

Für das Entfernen benötigst du:

  • Spachtel oder Stechbeitel
  • Heißluftföhn oder Bügeleisen (mit Baumwolltuch)
  • Sprühflasche mit Wasser (ggf. mit etwas Essig)
  • Schleifpapier (Grob und Fein)
  • Handschuhe und Atemschutz

Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Entfernen

  1. Heißluftföhn oder Bügeleisen: Erwärme das Furnier vorsichtig mit einem Heißluftföhn oder einem Bügeleisen auf mittlerer Stufe. Lege dabei ein Baumwolltuch zwischen Bügeleisen und Furnier, um Brandspuren zu vermeiden. Die Wärme macht den alten Leim weich.
  2. Ablösen: Sobald der Leim weich wird, kannst du das Furnier vorsichtig mit einem Spachtel oder Stechbeitel abheben. Arbeite dich Stück für Stück vor. Bei hartnäckigen Stellen wiederhole den Vorgang.
  3. Feuchtigkeit: Manchmal hilft es auch, das Furnier mit Wasser anzufeuchten. Lass das Wasser kurz einwirken, damit es den Leim unterwandert. Dann lässt sich das Furnier oft leichter abkratzen.
  4. Klebereste entfernen: Nach dem Entfernen des Furniers bleiben oft Leimreste zurück. Diese schabst du am besten mit einem Schaber oder Spachtel ab. Du kannst die Fläche auch vorsichtig schleifen, um alle Reste zu beseitigen.

Untergrund vorbereiten: Glatt und sauber muss es sein

Ein perfekter Untergrund ist entscheidend für die Haftung des neuen Furniers. Nimm dir hierfür ausreichend Zeit.

  • Schleifen: Schleife die gesamte Fläche gründlich ab. Beginne mit grobem Schleifpapier (z.B. 80er-Körnung) und arbeite dich zu feinerem (120er- bis 180er-Körnung) vor. Ziel ist eine glatte, ebene und saubere Oberfläche.
  • Reinigen: Entferne Schleifstaub und Fett gründlich. Am besten mit einem feuchten Tuch und anschließend mit einem Entfetter oder Reinigungsalkohol. Die Fläche muss staub- und fettfrei sein.
  • Unebenheiten ausgleichen: Kleine Löcher oder Risse im Trägermaterial (oft Spanplatte oder MDF) füllst du mit Holzspachtelmasse auf. Lass die Spachtelmasse gut trocknen und schleife die Stelle danach glatt.

Neues Furnier auswählen: Echtholz oder Kunstfurnier?

Die Wahl des richtigen Furniers bestimmt den Charakter deines Möbelstücks. Es gibt verschiedene Arten:

  • Echtholzfurnier: Das sind dünne Blätter aus echtem Holz, oft zwischen 0,4 und 1,9 Millimeter dick. Sie zeigen die natürliche Maserung und Haptik des Holzes. Echtholzfurniere sind in vielen Holzarten wie Eiche, Buche, Ahorn oder Nussbaum erhältlich. Sie sind hochwertig, aber auch empfindlicher gegenüber Feuchtigkeit und Kratzern als Kunstfurniere.
  • Kunstfurnier / Dekorfolie: Hierbei handelt es sich um bedruckte Folien, die eine Holzoptik imitieren. Sie sind oft widerstandsfähiger und pflegeleichter als Echtholz, aber fühlen sich nicht wie echtes Holz an.

Achte bei Echtholzfurnier darauf, dass die Furnierblätter aus derselben Charge stammen, um ein gleichmäßiges Maserbild zu erhalten.

Furnier aufbringen: Bügeln oder Kleben?

Es gibt zwei Hauptmethoden, um neues Furnier anzubringen: Aufbügeln oder Kleben. Die Wahl hängt vom Furniertyp und deiner Vorliebe ab.

Methode Klebstoff Vorteile Nachteile
Aufbügeln Schmelzkleber (auf Furnier) Einfacher, schneller, weniger Werkzeuge Weniger dauerhaft, nur für Furniere mit Kleber
Kleben Holzleim (Weißleim, Kontaktkleber) Stärkere, dauerhaftere Verbindung, für alle Furniere Aufwendiger, längere Trocken- und Presszeit

Furnier aufbügeln (mit Schmelzkleber)

Diese Methode ist besonders einfach, wenn du Furnier mit einer bereits aufgetragenen Schmelzkleberschicht verwendest.

  1. Zuschneiden: Schneide das Furnier grob zu. Plane an allen Seiten etwa einen Zentimeter Überstand ein.
  2. Positionieren: Lege das Furnier auf die vorbereitete Fläche.
  3. Bügeln: Stelle dein Bügeleisen auf mittlere Hitze (ohne Dampf). Lege ein Baumwolltuch auf das Furnier und bügle das Furnier langsam und gleichmäßig fest. Die Wärme aktiviert den Schmelzkleber.
  4. Andrücken: Drücke das Furnier nach dem Bügeln sofort mit einem Furnierhammer, einem Nudelholz (mit Frischhaltefolie umwickelt) oder einem Holzbrett und Schraubzwingen fest an. Das sorgt für eine gute Haftung, während der Kleber abkühlt und aushärtet.
Tipp: Beginne mit dem Bügeln in der Mitte der Fläche und arbeite dich zu den Rändern vor. So vermeidest du Lufteinschlüsse und Blasen.

Furnier kleben (mit Kontaktkleber)

Diese Methode erfordert etwas mehr Sorgfalt, bietet aber eine sehr starke und dauerhafte Verbindung.

  1. Zuschneiden: Auch hier schneidest du das Furnier mit etwa einem Zentimeter Überstand zu.
  2. Kleber auftragen: Trage den Holzleim (z.B. Weißleim oder Kontaktkleber) dünn und gleichmäßig auf die Rückseite des Furniers und auf die Möbeloberfläche auf. Ein Leimroller oder Pinsel hilft dabei.
  3. Ablüftzeit beachten: Halte die vom Hersteller angegebene Ablüftzeit des Klebers ein. Das ist wichtig, damit der Kleber seine volle Klebkraft entwickeln kann.
  4. Positionieren und Andrücken: Lege das Furnier präzise auf die Fläche. Einmal positioniert, lässt es sich bei Kontaktkleber kaum noch korrigieren. Drücke das Furnier sofort und kräftig an. Nutze hierfür eine Furnierpresse, Schraubzwingen mit Zulagen oder ein Nudelholz. Achte auf einen gleichmäßigen Druck über die gesamte Fläche.
  5. Trocknen lassen: Lass den Leim gemäß Herstellerangabe vollständig trocknen. Das kann mehrere Stunden dauern.

Furnier bearbeiten und versiegeln: Der letzte Schliff

Nachdem das Furnier fest sitzt, geht es an die Feinarbeiten.

  1. Kanten bearbeiten: Schneide überstehendes Furnier vorsichtig mit einem scharfen Cuttermesser oder einem Furnierkanten-Schneider bündig ab. Schleife die Kanten anschließend leicht an, um scharfe Grate zu entfernen.
  2. Oberflächenbehandlung: Je nach gewünschtem Look und Schutz behandelst du die Oberfläche.
    • Ölen oder Wachsen: Betont die natürliche Maserung und schützt das Holz. Muss regelmäßig erneuert werden.
    • Lackieren: Bietet einen robusten Schutz, verändert aber die Haptik. Hierfür kannst du verschiedene Lacke verwenden, zum Beispiel Klarlack oder farbigen Lack.
Wichtig: Schleife Echtholzfurnier nur sehr vorsichtig an, da es dünn ist und du schnell durchschleifen könntest. Verwende feines Schleifpapier (Körnung ab 240).
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FAQ zum Furnier erneuern

Kann ich Furnier auch ohne Profi-Werkzeug erneuern?

Ja, absolut. Viele Schritte, wie das Ablösen mit einem Bügeleisen oder das Andrücken mit einem Nudelholz, gelingen auch mit Haushaltsmitteln. Für das Zuschneiden ist ein scharfes Cuttermesser ausreichend.

Welche Furnierarten gibt es?

Man unterscheidet hauptsächlich Sägefurniere (1-5 mm dick, sehr hochwertig), Messerfurniere (0,4-1,9 mm dick, häufig im Möbelbau) und Schälfurniere (0,5-4 mm dick, oft für Sperrholz). Die Art beeinflusst Optik und Verarbeitung.

Wie lange hält erneuertes Furnier?

Die Haltbarkeit hängt von der Qualität des Furniers, des Klebers und der Sorgfalt bei der Verarbeitung ab. Bei guter Ausführung und richtiger Pflege kann erneuertes Furnier viele Jahre halten. Wichtig ist der Schutz vor Feuchtigkeit und starken Temperaturschwankungen.

Was tun bei Blasen im neuen Furnier?

Kleine Blasen kannst du oft beheben, indem du sie mit einem Cuttermesser vorsichtig aufschneidest, etwas Holzleim einspritzt und die Stelle dann fest andrückst, eventuell mit einem warmen Bügeleisen. Beschwere die Stelle anschließend, bis der Leim trocken ist.

Ist Furnier erneuern teuer?

Die Kosten für Material sind überschaubar. Ein Quadratmeter Furnier ist oft schon für 10 bis 30 Euro zu bekommen. Wenn du es selbst machst, sparst du die Arbeitskosten eines Schreiners, die für eine komplette Erneuerung einer Fläche zwischen 350 € und 800 € liegen können. Das macht DIY-Furnier zu einer kostengünstigen Alternative zum Neukauf. Mehr zum Thema Möbel findest du übrigens auch in unserem Artikel über Holzmöbel aufarbeiten.

Kann ich Furnier streichen?

Ja, du kannst Furnier streichen, um ihm einen neuen Look zu geben. Achte darauf, die Oberfläche vorher gut anzuschleifen und zu reinigen, damit die Farbe gut haftet. Für ein langanhaltendes Ergebnis ist eine Grundierung empfehlenswert. Lies dazu auch unseren Artikel Alte Möbel streichen.

Fazit

Das Furnier erneuern ist ein lohnendes Projekt, das alten Möbeln neues Leben einhaucht. Mit Geduld und den richtigen Schritten verwandelst du abgenutzte Stücke in echte Hingucker. Ob du dich für das Bügeln oder Kleben entscheidest, ein sorgfältiges Arbeiten beim Entfernen des alten Furniers und der Vorbereitung des Untergrunds ist der Schlüssel zum Erfolg. Trau dich, deine Möbel selbst zu gestalten und genieße das Ergebnis deiner Handarbeit.

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