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Holztisch aufarbeiten: Schleifen, Ölen & Kratzer entfernen

27. Februar 2026 · Hannes Nagel

Dein Holztisch hat Kratzer, Flecken oder der Lack blättert ab? Kein Grund zur Sorge. Du musst ihn nicht ersetzen. Mit der richtigen Anleitung kannst du deinen Holztisch aufarbeiten und ihm neuen Glanz verleihen. Das spart Geld und ist nachhaltig. Wir zeigen dir, wie du vorgehst.

Lesezeit: ca. 7 Minuten

Einen Holztisch aufzuarbeiten bedeutet, seine Oberfläche von alten Beschichtungen, Flecken und Kratzern zu befreien und anschließend neu zu schützen. Dies gelingt durch gründliches Reinigen, das Entfernen von Lack oder Wachs, mehrstufiges Schleifen und die abschließende Behandlung mit Öl, Wachs oder Lack. So erhält der Tisch nicht nur eine frische Optik, sondern wird auch widerstandsfähiger und langlebiger.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung ist alles: Reinige den Tisch gründlich und prüfe den Zustand der Oberfläche, bevor du startest.
  • Alte Beschichtungen entfernen: Lack und Farbe schleifst du ab oder entfernst sie mit Abbeizer. Geölte oder gewachste Tische brauchen nur einen Grundschliff.
  • Richtig schleifen: Beginne mit grobem Schleifpapier (Körnung 80), wechsle schrittweise zu feineren Körnungen (bis 180 oder 240) und schleife immer in Faserrichtung.
  • Kratzer ausbessern: Kleine Kratzer verschwinden beim Schleifen, tiefere Stellen füllst du mit Holzkitt oder kannst sie bei Dellen mit Wärme anheben.
  • Oberfläche schützen: Öl, Wachs oder Lack schützen das Holz. Öl lässt das Holz atmen und betont die Maserung, Lack bietet robusten Schutz.

Ein alter Holztisch erzählt Geschichten. Doch mit den Jahren sammeln sich Kratzer, Flecken und unschöne Abnutzungen. Der Lack blättert ab, das Holz wirkt stumpf. Du denkst vielleicht über eine Neuanschaffung nach. Halt! Deinen Holztisch aufarbeiten ist oft einfacher, als du denkst. Es ist nicht nur gut für deinen Geldbeutel, sondern auch für die Umwelt.

Warum du deinen Holztisch aufarbeiten solltest

Dein alter Holztisch hat Charakter. Wenn du ihn restaurierst, gibst du ihm nicht nur ein neues Leben. Du sparst auch Geld. Ein neuer Massivholztisch kostet schnell mehrere hundert Euro. Die Materialien zum Aufarbeiten sind deutlich günstiger.

Außerdem ist es nachhaltig. Du vermeidest Müll und schonst Ressourcen. Ein aufgearbeiteter Tisch ist ein Unikat. Er passt perfekt zu deinem Stil und deinen Bedürfnissen. Du bestimmst Farbe, Oberflächenbehandlung und den Grad der Abnutzung, den du erhalten möchtest. Das Aufarbeiten ist ein Projekt, das dich kreativ fordert und am Ende mit einem einzigartigen Möbelstück belohnt.

Diese Materialien und Werkzeuge brauchst du

Bevor du startest, sammelst du alles Notwendige. Eine gute Vorbereitung spart Zeit und Nerven.

  • Schleifmaschine: Ein Exzenterschleifer ist ideal für große, ebene Flächen. Für Kanten und kleinere Bereiche eignet sich ein Multischleifer.
  • Schleifpapier: Verschiedene Körnungen (z.B. 80, 120, 180, 240).
  • Holzöl, Wachs oder Lack: Je nachdem, wie du die Oberfläche schützen möchtest.
  • Reinigungsmittel: Spezieller Holzreiniger oder milde Seifenlauge.
  • Tücher und Schwämme: Zum Reinigen und Auftragen der Oberflächenbehandlung.
  • Pinsel oder Rolle: Für Lack oder Öl.
  • Spachtel: Zum Entfernen alter Lackreste oder Auftragen von Holzkitt.
  • Holzkitt oder Holzpaste: Zum Ausbessern tieferer Kratzer und Löcher.
  • Schutzbrille, Atemschutzmaske, Gehörschutz: Besonders wichtig beim Schleifen.
  • Staubsauger: Zum Entfernen von Schleifstaub.
  • Arbeitsbock oder stabile Unterlage: Damit der Tisch sicher steht.
Wichtig: Beim Schleifen von Holz entsteht feiner Holzstaub. Dieser kann die Atemwege reizen und ist unter Umständen sogar krebserregend, besonders bei Harthölzern wie Buche oder Eiche. Trage immer eine Atemschutzmaske (mindestens FFP2), eine Schutzbrille und sorge für gute Belüftung. Sauge den Staub regelmäßig ab.

Schritt 1: Vorbereitung und gründliche Reinigung

Räume den Tisch komplett leer. Demontiere, wenn möglich, die Tischbeine. Das erleichtert das Schleifen der Platte und der Beine. Reinige die Tischplatte gründlich. Entferne Staub, Schmutz und lose Partikel. Ein feuchtes Tuch mit mildem Holzreiniger oder etwas Spülmittel im Wasser hilft dabei. Lass den Tisch danach gut trocknen.

Prüfe die Oberfläche genau. Wo sind tiefe Kratzer? Wo blättert der Lack ab? Diese Bestandsaufnahme hilft dir, den Aufwand abzuschätzen und die richtigen Schritte zu planen. Kontrolliere auch, ob die Tischbeine oder andere Verbindungen wackeln. Lockere Stellen kannst du jetzt neu verleimen oder verschrauben. Das ist auch ein guter Zeitpunkt für Möbel Upcycling Ideen, um den Tisch mit neuen Elementen zu verschönern.

Schritt 2: Alte Beschichtung entfernen

Je nach Art der alten Beschichtung gehst du unterschiedlich vor.

Lack oder Farbe entfernen

Ist dein Tisch lackiert oder gestrichen, muss die alte Schicht komplett weg. Hier gibt es mehrere Methoden:

  1. Schleifen: Das ist die gängigste Methode. Beginne mit einer groben Körnung (z.B. 60 oder 80), um den Lack abzutragen. Arbeite dabei systematisch und gleichmäßig.
  2. Abbeizen: Chemie-Abbeizer lösen Lack und Farbe auf. Das ist oft schneller, aber auch aggressiver. Lüfte gut und trage Schutzkleidung. Beachte die Herstellerangaben.
  3. Heißluftfön: Mit einem Heißluftfön kannst du alte Farbschichten erhitzen, bis sie Blasen werfen. Dann schabst du sie mit einem Spachtel ab. Sei vorsichtig, um das Holz nicht zu verbrennen.

Öl oder Wachs entfernen

Geölte oder gewachste Oberflächen sind einfacher zu bearbeiten. Du musst das Öl oder Wachs nicht komplett entfernen. Ein gründlicher Grobschliff reicht meist aus, um die oberste Schicht abzutragen und das Holz für die neue Behandlung vorzubereiten.

Schritt 3: Holztisch richtig schleifen

Das Schleifen ist der wichtigste Schritt, um deinen Holztisch aufarbeiten zu können. Nimm dir hierfür ausreichend Zeit.

  1. Grobschliff (Körnung 80): Beginne mit grobem Schleifpapier, um alte Beschichtungen, tiefe Kratzer und Unebenheiten zu entfernen. Führe die Schleifmaschine mit leichtem, gleichmäßigem Druck. Bewege sie immer in Faserrichtung. Bei stark beschädigten Flächen kannst du auch quer zur Faser schleifen, aber nur für den ersten Durchgang.
  2. Zwischenschliff (Körnung 120): Wechsle zu einer feineren Körnung (120). Dieser Schritt entfernt die Schleifspuren des groben Papiers. Schleife nun ausschließlich in Faserrichtung.
  3. Feinschliff (Körnung 180 oder 240): Für eine glatte, geschmeidige Oberfläche folgt der Feinschliff. Nutze Körnung 180 oder 240. Die Oberfläche sollte sich nun seidig anfühlen.
Tipp: Sauge den Schleifstaub nach jedem Schleifgang gründlich ab. Auch ein feuchtes Tuch hilft, feine Partikel zu entfernen. So verhinderst du, dass alte Staubpartikel beim nächsten Schleifgang neue Kratzer verursachen.

Schleife auch die Kanten und Ecken sorgfältig. Hierfür eignen sich Handschliff oder ein Multischleifer besonders gut. Sei geduldig und arbeite präzise. Das Ergebnis dankt es dir.

Schritt 4: Kratzer und Dellen ausbessern

Beim Schleifen verschwinden viele leichte Kratzer von selbst. Tiefere Beschädigungen benötigen etwas mehr Aufmerksamkeit.

  • Kleine Kratzer: Nach dem Schleifen sind die meisten oberflächlichen Kratzer weg. Ist doch noch einer sichtbar, kannst du ihn mit einem Retuschierstift in passender Holzfarbe kaschieren.
  • Dellen: Bei kleinen Dellen im Massivholz kannst du versuchen, diese mit Feuchtigkeit und Hitze anzuheben. Lege ein feuchtes Tuch auf die Delle und bügele vorsichtig darüber. Die Holzfasern quellen auf und die Delle wird weniger sichtbar.
  • Tiefe Kratzer und Löcher: Fülle tiefe Kratzer oder kleine Löcher mit Holzkitt oder Holzpaste. Wähle einen Farbton, der zum Holz passt. Trage den Kitt mit einem Spachtel auf, lass ihn trocknen und schleife die Stelle anschließend fein nach.
Tipp: Walnüsse können bei leichten Kratzern auf unbehandeltem, dunklerem Holz Wunder wirken. Reibe mit einem Walnusskern vorsichtig über den Kratzer. Das austretende Öl füllt die Beschädigung und dunkelt sie an.

Schritt 5: Oberfläche schützen: Ölen, Wachsen oder Lackieren

Nach dem Schleifen ist das Holz offenporig und ungeschützt. Du musst es versiegeln, um es vor Feuchtigkeit, Schmutz und neuen Beschädigungen zu bewahren. Wähle die Methode, die am besten zu deinen Ansprüchen passt.

Holztisch ölen: Vorteile und Anwendung

Holzöl dringt tief in die Poren ein, ohne sie zu verschließen. Das Holz bleibt atmungsaktiv und behält seine natürliche Haptik. Die Maserung wird betont und wirkt wärmer. Geölte Tische lassen sich später leicht nachölen und einzelne Kratzer ausbessern.

Anwendung: Trage das Öl dünn und gleichmäßig mit einem Pinsel oder Tuch in Faserrichtung auf. Lass es einwirken (Herstellerangaben beachten, oft 15-20 Minuten). Wische überschüssiges Öl danach mit einem sauberen, fusselfreien Tuch ab, bis die Oberfläche matt erscheint. Wiederhole den Vorgang bei Bedarf 1-2 Mal. Lass den Tisch danach 2-3 Tage aushärten, bevor du ihn voll belastest.

Holztisch lackieren: Vorteile und Anwendung

Lack bildet eine robuste, geschlossene Oberfläche. Er schützt den Tisch sehr gut vor Feuchtigkeit, Kratzern und Abnutzung. Lackierte Tische sind sehr pflegeleicht und brauchen keine regelmäßige Nachbehandlung. Allerdings kann das Holz nicht mehr atmen und tiefere Beschädigungen lassen sich schwerer punktuell ausbessern.

Anwendung: Trage den Lack dünn und gleichmäßig mit einer Rolle oder einem Pinsel auf. Beachte die Trocknungszeiten zwischen den Schichten. Oft sind zwei bis drei Schichten nötig. Ein Zwischenschliff mit sehr feinem Schleifpapier (Körnung 240 oder höher) nach der ersten Schicht sorgt für eine besonders glatte Oberfläche.

Holztisch wachsen: Vorteile und Anwendung

Wachs schützt das Holz, lässt es aber ebenfalls atmen. Die Oberfläche fühlt sich weich und natürlich an. Wachs ist ideal für Tische, die nicht stark beansprucht werden. Es kann jedoch empfindlicher auf Wasserflecken reagieren als Öl oder Lack.

Anwendung: Trage das Wachs dünn mit einem Tuch auf und poliere es nach dem Trocknen ein. Auch hier sind mehrere dünne Schichten besser als eine dicke.

Eigenschaft Öl Lack Wachs
Schutz vor Feuchtigkeit Gut Sehr gut Mittel
Haptik Natürlich, warm Glatt, versiegelt Weich, natürlich
Reparatur von Kratzern Einfach, punktuell Schwierig, vollflächig Mittel
Nachbehandlung Regelmäßig (ca. 1x jährlich) Selten nötig Regelmäßig
Atmungsaktivität Ja Nein Ja

Holztisch richtig pflegen im Alltag

Nachdem du deinen Holztisch aufarbeiten konntest, solltest du ihn auch im Alltag gut pflegen. So bleibt er lange schön:

  • Regelmässige Reinigung: Wische den Tisch mit einem leicht feuchten Tuch ab. Verwende milde Holzreiniger. Aggressive Reiniger können die Oberfläche beschädigen.
  • Untersetzer verwenden: Schütze die Oberfläche vor heißen Tassen, Gläsern und Tellern. Untersetzer verhindern unschöne Ränder und Hitzeschäden.
  • Direkte Sonneneinstrahlung vermeiden: Holz kann durch starke Sonneneinstrahlung nachdunkeln oder sich verfärben.
  • Luftfeuchtigkeit und Temperatur: Holz reagiert auf Schwankungen. Halte die Raumtemperatur zwischen 20° und 24°C und die Luftfeuchtigkeit zwischen 45% und 60%.
  • Geölte Tische nachölen: Geölte Tische brauchen regelmäßige Pflege. Öle sie je nach Beanspruchung ein- bis zweimal im Jahr nach.

Häufige Fehler beim Holztisch aufarbeiten vermeiden

Damit dein Projekt gelingt, vermeide diese häufigen Fehler:

  • Falsche Schleifrichtung: Immer in Faserrichtung schleifen, besonders bei den feineren Gängen. Quer zur Faser hinterlässt unschöne Kratzer.
  • Zu grobes Schleifpapier: Nicht mit zu grobem Schleifpapier starten, wenn die Oberfläche nur leicht beschädigt ist. Das trägt unnötig viel Material ab.
  • Überspringen von Schleifgängen: Jeder Schleifgang bereitet die Oberfläche für den nächsten vor. Überspringst du einen, bleiben grobe Spuren sichtbar.
  • Nicht ausreichend entstauben: Staub zwischen den Schleifgängen führt zu neuen Kratzern.
  • Zu viel Öl oder Lack: Dünne Schichten sind besser. Zu viel Material kann zu unschönen Flecken oder einer ungleichmäßigen Oberfläche führen.
  • Ungeduld: Lass den Oberflächenschutz ausreichend trocknen. Die vollständige Aushärtung dauert länger als die reine Trocknungszeit.
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FAQ zum Holztisch aufarbeiten

Wie lange dauert es, einen Holztisch aufzuarbeiten?

Die Dauer hängt vom Zustand des Tisches und der gewünschten Oberflächenbehandlung ab. Rechne mit mindestens einem Wochenende. Das Schleifen selbst dauert bei einer Tischplatte mehrere Stunden, hinzu kommen Trocknungszeiten für Öl oder Lack, die bis zu mehreren Tagen betragen können.

Welches Schleifpapier brauche ich für meinen Holztisch?

Du brauchst Schleifpapier in verschiedenen Körnungen: Beginne mit Körnung 80 für den Grobschliff, wechsle dann zu 120 für den Zwischenschliff und beende mit 180 oder 240 für den Feinschliff.

Kann ich einen lackierten Holztisch ölen?

Ja, aber nur, wenn du den Lack vorher komplett entfernt hast. Öl kann nicht in lackiertes Holz eindringen. Nach dem vollständigen Abschleifen des Lacks kannst du das Holz ölen.

Wie entferne ich Wasserflecken aus Holz?

Leichte, helle Wasserflecken auf geöltem Holz kannst du oft mit feinem Schleifvlies und etwas Holzöl entfernen. Bei tieferen Flecken hilft meist nur ein erneutes Anschleifen der betroffenen Stelle und eine neue Oberflächenbehandlung.

Wann ist Abbeizen sinnvoll?

Abbeizen ist sinnvoll, wenn dein Tisch mehrere dicke Lackschichten oder schwer entfernbare Farbreste hat. Es ist eine schnelle Methode, aber arbeitsintensiv und erfordert gute Belüftung sowie Schutzkleidung. Bei geölten oder gewachsten Tischen ist es nicht nötig.

Fazit

Deinen Holztisch aufarbeiten ist ein Projekt, das sich lohnt. Mit etwas Geduld und den richtigen Schritten verwandelst du ein altes Möbelstück in einen echten Blickfang. Du sparst Geld, schonst die Umwelt und schaffst ein Unikat. Fang einfach an – der Aufwand zahlt sich aus und dein Tisch wird dir noch viele Jahre Freude bereiten.

Schau dir auch dieses Video an, um den Schleifprozess zu visualisieren:

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