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Das Wichtigste in Kuerze
- Planung ist entscheidend: Skizziere Größe, Stil und Funktion deiner Kommode präzise.
- Materialwahl beeinflusst Ergebnis: Entscheide dich für Massivholz, Sperrholz oder MDF passend zu deinen Anforderungen.
- Schubladenführungen: Wähle zwischen Rollen-, Teleskop- oder Unterflurführungen, eventuell mit Soft-Close oder Push-to-Open.
- Präzise Umsetzung: Sorgfältiger Zuschnitt und genaue Montage sind für die Funktionalität unerlässlich.
- Oberflächenbehandlung: Lackieren, Ölen oder Wachsen schützt das Holz und bestimmt die Optik deiner DIY-Kommode.
Eine Kommode selber bauen bietet die einzigartige Möglichkeit, ein Möbelstück zu gestalten, das exakt deinen Vorstellungen und Bedürfnissen entspricht. Egal, ob du zusätzlichen Stauraum im Schlafzimmer benötigst, eine stilvolle Ablage im Flur suchst oder ein Sideboard für das Wohnzimmer anfertigen möchtest – mit einer individuellen Kommode schaffst du ein echtes Unikat. Neben der persönlichen Note profitierst du auch von potenziellen Kosteneinsparungen gegenüber dem Kauf von Fertigmöbeln und der Freude am handwerklichen Schaffen.

Planung und Design deiner Kommode
Bevor du mit dem Bau beginnst, ist eine detaillierte Planung unerlässlich. Überlege dir genau, wo die Kommode stehen soll und welchen Zweck sie erfüllen muss. Benötigst du viele kleine Schubladen für Kleidung, oder eher größere Fächer für Ordner und Bücher? Die Funktion bestimmt maßgeblich die Größe, die Anzahl und Anordnung der Schubladen sowie das gesamte Design.
Skizziere deine Ideen und erstelle einen Bauplan mit präzisen Maßen. Berücksichtige dabei die Raumproportionen und den gewünschten Stil. Soll es eine klassische Holzkommode sein, ein modernes, griffloses Design oder vielleicht ein Möbelstück im Landhausstil? Die Wahl des Designs beeinflusst die Materialauswahl und die Konstruktionsweise. Inspiration findest du online oder in Möbelmagazinen. Ein Moodboard kann dir helfen, deine Vorstellungen zu konkretisieren.
Benötigte Materialien und Werkzeuge
Die Auswahl der richtigen Materialien ist entscheidend für die Stabilität und Optik deiner selbstgebauten Kommode. Gängige Materialien sind Massivholz, Sperrholz oder MDF. Massivholz ist besonders robust und langlebig, während MDF-Platten sich gut bearbeiten lassen und eine glatte Oberfläche für Lackierungen bieten. Achte auf Qualität und plane den Holzzuschnitt sorgfältig. Viele Baumärkte bieten einen Zuschnittservice an, was dir Zeit und Aufwand ersparen kann.
Für den Bau benötigst du grundlegende Werkzeuge wie einen Akkuschrauber, eine Säge (Handkreissäge oder Stichsäge), Schleifpapier, Holzleim, Schraubzwingen, Holzbohrer und einen Senker. Je nach Komplexität des Projekts können auch Spezialwerkzeuge wie eine Oberfräse oder eine Kantenanleimmaschine hilfreich sein.
Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Kommodenbau
Der Bau einer Kommode lässt sich in mehrere Hauptschritte unterteilen:
1. Korpus bauen
Beginne mit dem Zuschnitt aller Holzteile für den Korpus (Seitenwände, Boden, Deckel). Achte auf präzise Maße, um später Passungenauigkeiten zu vermeiden. Verbinde die Teile des Korpus mithilfe von Holzdübeln, Lamellos oder Schrauben. Senke die Schraubenköpfe an, um eine glatte Oberfläche zu gewährleisten. Stabile Verbindungen sind die Basis für eine langlebige Kommode.
2. Schubladen konstruieren
Für jede Schublade schneidest du Seiten-, Rück- und Frontplatten sowie den Boden zu. Verwende hierfür ebenfalls passgenaue Zuschnitte. Die Schubladenteile können mit Nut-und-Feder-Verbindungen, Dübeln oder Schrauben zusammengefügt werden. Der Boden wird meist in eine Nut an den Seiten- und Frontteilen eingesetzt oder von unten verschraubt.
3. Schubladenführungen montieren
Dies ist ein kritischer Schritt, der höchste Präzision erfordert. Miss die Positionen der Führungsschienen genau aus und markiere sie sowohl am Korpus als auch an den Schubladenseiten. Es gibt verschiedene Arten von Schubladenführungen: Rollschubführungen, Teleskopauszüge (Teil- oder Vollauszug) und Unterflurführungen. Letztere sind oft verdeckt und bieten eine besonders elegante Optik. Moderne Führungen verfügen über Funktionen wie Soft-Close (sanftes Schließen) oder Push-to-Open (griffloses Öffnen durch Antippen). Montiere die Schienen sorgfältig, um ein leichtgängiges Öffnen und Schließen der Schubladen zu gewährleisten.
4. Rückwand und Top-Platte anbringen
Die Rückwand stabilisiert den Korpus zusätzlich und schützt den Inhalt der Kommode. Sie kann verschraubt, genagelt oder in eine Nut eingesetzt werden. Anschließend befestigst du die obere Abdeckplatte, die entweder bündig mit dem Korpus abschließt oder leicht übersteht, je nach deinem Designwunsch. Achte auch hier auf eine saubere und stabile Befestigung.
5. Oberfläche bearbeiten
Schleife alle Holzoberflächen gründlich, beginnend mit groberem Schleifpapier (z.B. 80er Körnung) und endend mit feineren Körnungen (z.B. 180er oder 240er), um eine glatte und ebenmäßige Oberfläche zu erhalten. Dies ist die Grundlage für eine schöne und dauerhafte Oberflächenbehandlung. Anschließend kannst du die Kommode lackieren, ölen oder wachsen, um das Holz zu schützen und die gewünschte Optik zu erzielen. Mehr dazu im Abschnitt „Oberflächenbehandlung für Langlebigkeit und Optik“.
6. Griffe und Füße montieren
Zum Abschluss montierst du die Schubladengriffe und eventuell die Möbelfüße. Diese Details tragen maßgeblich zum Gesamtbild deiner Kommode bei. Wähle Griffe und Füße, die zum Stil deines Möbelstücks passen.
(Hier könnte ein Video zum Thema «Schubladenführungen montieren» eingebettet werden, um die Schritte visuell zu unterstützen.)

Tipps für die perfekte Schubladenfunktion
Die Funktionalität der Schubladen ist entscheidend für die Zufriedenheit mit deiner selbstgebauten Kommode. Achte auf folgende Punkte:
- Präzision beim Messen: Selbst kleine Abweichungen können dazu führen, dass Schubladen klemmen oder schief laufen. Miss lieber zweimal.
- Qualität der Führungsschienen: Investiere in hochwertige Schubladenführungen. Sie machen einen großen Unterschied in Bezug auf Leichtgängigkeit, Tragkraft und Langlebigkeit.
- Stabilität der Schubladen: Die Schubladenkästen selbst müssen stabil konstruiert sein, um sich nicht zu verziehen. Verstärkungen an den Ecken können sinnvoll sein, besonders bei größeren Schubladen.
- Einstellung: Viele moderne Schubladenführungen bieten Einstellmöglichkeiten, um das Fugenbild exakt anzupassen und ein leises Schließen zu ermöglichen.
Oberflächenbehandlung für Langlebigkeit und Optik
Die richtige Oberflächenbehandlung schützt das Holz vor Abnutzung, Feuchtigkeit und Schmutz und verleiht deiner Kommode den letzten Schliff. Hier sind die gängigsten Methoden:
- Lackieren: Lack versiegelt die Holzoberfläche vollständig. Dies schützt das Holz sehr gut vor äußeren Einflüssen und macht es pflegeleicht. Allerdings geht dabei die natürliche Haptik des Holzes verloren. Lacke sind in vielen Farben und Glanzgraden erhältlich.
- Ölen: Holzöl dringt tief in das Holz ein, schützt es von innen und betont die natürliche Maserung und Farbe. Geölte Oberflächen fühlen sich warm und natürlich an und bleiben atmungsaktiv. Sie erfordern jedoch regelmäßige Pflege.
- Wachsen: Holzwachs bildet eine schützende Schicht auf der Oberfläche und verleiht dem Holz einen matten Glanz. Es bietet einen gewissen Schutz vor Feuchtigkeit, ist aber anfälliger für Flecken und Kratzer als Lack und erfordert ebenfalls regelmäßige Pflege.
- Lasieren: Lasuren sind farbige Schichten, die die Maserung des Holzes nicht vollständig verdecken, sondern das Aussehen verändern können, während die Holzstruktur sichtbar bleibt.
Nachhaltigkeit beim Kommodenbau
Wenn du eine Kommode selber bauen möchtest, kannst du aktiv zur Nachhaltigkeit beitragen. Wähle heimische Holzarten wie Buche, Eiche oder Kiefer, um lange Transportwege zu vermeiden. Achte beim Holzkauf auf Gütesiegel wie Naturland oder FSC (insbesondere für Produkte aus Deutschland), die eine nachhaltige Forstwirtschaft garantieren. Durch die Verwendung langlebiger Materialien und eine solide Bauweise schaffst du ein Möbelstück, das über Generationen hinweg Freude bereitet und somit ein Gegenentwurf zur Wegwerfgesellschaft ist.
FAQ zum Thema Kommode selber bauen
Wie lange dauert es, eine Kommode selber zu bauen?
Der Zeitaufwand variiert stark je nach Größe, Komplexität und deiner Erfahrung. Eine einfache Kommode kann an einem Wochenende entstehen, während ein aufwendigeres Modell mit vielen Schubladen und speziellen Verbindungen mehrere Tage oder Wochenenden in Anspruch nehmen kann. Die Planung und der Zuschnitt sind oft die zeitaufwendigsten Schritte.
Welche Holzart eignet sich am besten für eine Kommode?
Für eine robuste und langlebige Kommode eignen sich Harthölzer wie Eiche oder Buche hervorragend. Wenn du ein leichteres und kostengünstigeres Projekt suchst, ist Kiefer eine gute Wahl. Für eine edle Optik bietet sich Nussbaum an. Die Wahl hängt von deinem Budget, deinen handwerklichen Fähigkeiten und dem gewünschten Stil ab.
Welche Kosten muss ich einplanen, wenn ich eine Kommode selber baue?
Die Kosten hängen stark von der gewählten Holzart, der Qualität der Schubladenführungen und Beschläge sowie der Größe der Kommode ab. Eine einfache Kommode aus Kiefer kann bereits für unter 100 Euro realisiert werden, während ein Modell aus Massivholz mit hochwertigen Auszügen und Oberflächenbehandlung deutlich teurer sein kann. Generell kann man durch den Selbstbau oft Geld sparen im Vergleich zu einem gleichwertigen Fertigmöbelstück.
Kann man eine Kommode auch ohne viel Erfahrung selber bauen?
Ja, auch Anfänger können eine Kommode selber bauen, sollten aber mit einem einfacheren Design beginnen, z.B. mit wenigen Schubladen und geraden Schnitten. Wichtig sind eine gute Anleitung, präzises Arbeiten und Geduld. Viele Baumärkte bieten Holzzuschnitt-Services an, was den Einstieg erleichtert.
Welche Arten von Schubladenführungen gibt es?
Es gibt hauptsächlich drei Arten: Rollschubführungen (einfach, kostengünstig), Teleskopauszüge (Vollauszug oder Teilauszug, kugelgelagert, höhere Tragkraft) und Unterflurführungen (verdeckt, elegant, oft mit Soft-Close oder Push-to-Open). Die Wahl hängt von Budget, gewünschter Funktionalität und Ästhetik ab.
Fazit
Eine Kommode selber bauen ist ein lohnendes Projekt, das nicht nur handwerkliches Geschick fördert, sondern auch zu einem einzigartigen und funktionalen Möbelstück führt. Von der ersten Skizze bis zur finalen Oberflächenbehandlung hast du die volle Kontrolle über Design, Material und Qualität. Achte auf eine sorgfältige Planung, präzise Ausführung der Schritte und die Wahl nachhaltiger Materialien, um eine Kommode zu schaffen, die dir lange Freude bereitet und perfekt in dein Zuhause passt. Mit dieser Anleitung bist du bestens vorbereitet, um deine eigene Kommode zu bauen und deinen Wohnraum individuell zu gestalten.



