Der Lieblingssessel ist durchgesessen, der Stuhlbezug hat Flecken? Das muss kein Grund sein, alte Möbelstücke zu entsorgen. Wenn du Polster neu beziehen willst, gibst du deinen Möbeln ein zweites Leben. Mit etwas handwerklichem Geschick und den richtigen Materialien verwandelst du alte Stücke in neue Hingucker – ganz nach deinem Geschmack.
Das Wichtigste in Kuerze
- Alte Polsterung entfernen und als Schablone nutzen.
- Passenden Polsterstoff (z.B. Microfaser, Baumwolle) und Füllmaterial (z.B. Schaumstoff, Vlies) auswählen.
- Stoff großzügig zuschneiden und straff über das Polster spannen.
- Mit einem Tacker oder Nadel und Faden befestigen.
- Arbeitszeit und Materialkosten sind beim Selbermachen deutlich geringer als beim Profi.
Warum Polster erneuern?
Ein altes Möbelstück muss nicht direkt auf den Müll. Wenn du Polster neu beziehst, sparst du Geld und schonst Ressourcen. Das ist nachhaltig und gibt dir die Möglichkeit, ein Unikat zu schaffen. Gerade bei Erbstücken oder hochwertigen Möbelrahmen lohnt sich der Aufwand. Sie bekommen einen frischen Look, der perfekt zu deiner Einrichtung passt.
Möbel mit dem „Goldenen M“ der Deutschen Gütegemeinschaft Möbel (DGM) stehen für geprüfte Qualität in puncto Haltbarkeit, Sicherheit und Umweltfreundlichkeit. Wenn dein Möbelstück dieses Zeichen trägt, ist es oft eine lohnende Investition, es neu zu beziehen.
Material und Werkzeug: Was du brauchst
Der richtige Polsterstoff
Die Auswahl des Stoffs beeinflusst nicht nur das Aussehen, sondern auch die Haltbarkeit und Pflege des Polsters. Überlege, wie stark das Möbelstück genutzt wird. Für oft genutzte Stühle oder Sessel brauchst du einen strapazierfähigen Stoff. Achte auf die Scheuertouren, gemessen im Martindale-Test. Ab 20.000 Touren gelten Stoffe als robust, ab 30.000 Touren als sehr strapazierfähig, ideal für stark beanspruchte Möbel.
- Microfaser: Sehr strapazierfähig, pflegeleicht, unempfindlich gegen Schmutz und Flüssigkeiten. Gut für Haushalte mit Kindern oder Haustieren.
- Baumwolle/Leinen: Naturfasern, atmungsaktiv, angenehm auf der Haut. Oft weniger strapazierfähig als Synthetik, anfälliger für Flecken.
- Synthetische Mischgewebe (Polyester, Nylon, Acryl): Kombinieren Vorteile, sind oft robust, farbintensiv und pflegeleicht.
- Velours/Chenille: Samtige Oberfläche, weich. Kann bei starker Nutzung Schattierungen zeigen.
- Leder/Kunstleder: Robust und edel. Leder braucht regelmäßige Pflege, Kunstleder ist günstiger und pflegeleichter, aber anfälliger für Risse.
Füllmaterial wählen
Nicht nur der Bezug, auch die Polsterung selbst kann über die Jahre an Komfort verlieren. Hier gibt es verschiedene Optionen, je nachdem, welche Haptik du dir wünschst und wie das Möbelstück genutzt wird.
Werkzeugliste
Bevor du loslegst, sammle alle nötigen Werkzeuge. Das spart Zeit und Nerven.
- Stoffschere oder Teppichmesser
- Flach- oder Kombizange (zum Entfernen alter Klammern)
- Schlitz-Schraubendreher (hilft auch beim Klammern entfernen)
- Tacker (Handtacker oder Elektrotacker) mit passenden Klammern
- Nähmaschine mit Polsternadel und reißfestes Garn (wenn du nähen musst)
- Maßband und Filzstift
- Schutzhandschuhe und Schutzbrille
- Hammer (zum Einschlagen festsitzender Klammern)
- Sprühkleber für Polstermaterialien (optional, aber hilfreich)
Vorbereitung: Alte Polsterung entfernen
Zerlege das Möbelstück, wenn nötig. Bei Stühlen sind oft nur Sitzfläche und Rückenlehne abzunehmen. Fotografiere jeden Schritt, das hilft beim späteren Zusammenbau. Dann entfernst du den alten Bezugsstoff. Ziehe jede Tackerklammer oder jeden Nagel vorsichtig mit einer Zange heraus. Sei gründlich, damit die neue Polsterung später glatt liegt. Die alten Stoffteile bewahrst du auf. Sie dienen als Schablone für den neuen Bezug. Prüfe auch die alte Polsterung. Ist sie noch in Ordnung oder muss sie ersetzt werden? Manchmal reicht es, nur den Stoff zu erneuern.
Schritt-für-Schritt-Anleitung: Polster neu beziehen
1. Maß nehmen und Stoff zuschneiden
Lege den alten Bezugsstoff auf den neuen Stoff. Schneide den neuen Stoff großzügig zu, mit etwa 5-10 cm Zugabe an allen Seiten. So hast du genug Material, um den Stoff später straff zu spannen und zu befestigen. Prüfe die Laufrichtung des Stoffs, falls er ein Muster oder einen Strich hat. Bei Polsterarbeiten ist es ratsam, den neuen Stoff erst nach dem Abziehen des alten Bezugs zu kaufen, um die genaue Menge zu ermitteln.
2. Neue Polsterung anbringen
Wenn du das Füllmaterial erneuerst, bringe es jetzt an. Schneide Schaumstoff oder Vlies passend zu. Fixiere den Schaumstoff gegebenenfalls mit Sprühkleber auf der Unterlage. Eine Schicht Polsterwatte über dem Schaumstoff sorgt für eine weiche Oberfläche und schützt den Schaumstoff vor Abnutzung durch den Bezugsstoff. Achte darauf, dass alles faltenfrei und gleichmäßig liegt.
3. Stoff befestigen: Tackern oder Nähen?
Lege den zugeschnittenen Stoff mittig und straff über das Polster. Beginne in der Mitte einer Seite mit dem Tackern. Setze zwei bis drei Klammern. Dann gehst du zur gegenüberliegenden Seite, spannst den Stoff erneut und tackerst ihn dort fest. Wiederhole das für die anderen beiden Seiten. Arbeite dich dann von der Mitte zu den Ecken vor. Achte darauf, den Stoff immer gleichmäßig zu spannen, um Falten zu vermeiden. An den Ecken faltest du den Stoff sauber und tackerst ihn ebenfalls fest.
Bei manchen Möbelstücken, besonders bei komplexen Formen oder wenn die Nähte sichtbar sind, musst du den Bezug nähen. Das erfordert oft mehr Geschick und eine Nähmaschine mit Polsternadel. Nutze hierfür reißfestes Garn.
4. Feinarbeiten und Abschluss
Schneide überstehenden Stoff sauber ab. Achte darauf, dass keine losen Fäden stören. Montiere alle abgenommenen Teile wieder an ihren Platz. Prüfe, ob alle Schrauben fest sitzen und das Polster stabil ist. Manchmal kannst du Ziernägel, Borten oder Knöpfe anbringen, um dem Möbelstück einen besonderen Touch zu verleihen.
Besondere Herausforderungen: Sessel und Sofas
Einen Stuhl zu polstern ist oft der einfachste Einstieg. Sessel und Sofas sind komplexer. Sie haben oft Armlehnen, Rückenlehnen oder komplizierte Rundungen. Hier ist es noch wichtiger, Fotos vom Abbau zu machen und die alten Stoffteile als präzise Schablonen zu nutzen. Bei Sofas kann der Aufwand so groß sein, dass sich eine professionelle Polsterei lohnen kann, besonders wenn der emotionale Wert nicht überwiegt. Die Kosten für einen professionellen Neubezug eines Sessels können beispielsweise zwischen 670 und 1.000 Euro liegen. Ein Stuhl ist mit 190 bis 355 Euro deutlich günstiger.
Pflege der neuen Polster
Damit du lange Freude an deinen neu bezogenen Polstern hast, ist die richtige Pflege wichtig. Sauge den Bezug regelmäßig ab, um Staub und Krümel zu entfernen. Flecken solltest du sofort mit einem feuchten Tuch und mildem Reinigungsmittel behandeln. Teste das Mittel immer zuerst an einer unauffälligen Stelle. Manche Stoffe sind maschinenwaschbar, andere benötigen eine Handreinigung oder professionelle Pflege. Beachte dazu die spezifischen Pflegehinweise deines Polsterstoffs. Eine Imprägnierung kann bei vielen Stoffen zusätzlichen Schutz vor Flecken und Feuchtigkeit bieten.
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FAQ zum Polster neu beziehen
Wie lange dauert es, einen Stuhl neu zu beziehen?
Für einen einfachen Stuhl ohne komplizierte Form kannst du mit etwa 2-4 Stunden rechnen, wenn du ungeübt bist. Mit etwas Übung geht es schneller.
Welcher Stoff eignet sich für Haustiere?
Microfaser und Kunstleder sind gute Optionen. Sie sind kratzfest und lassen sich leicht reinigen, falls Tierhaare oder Flecken entstehen.
Brauche ich immer einen Tacker?
In den meisten Fällen ist ein Tacker das schnellste und einfachste Werkzeug zum Befestigen des Stoffs. Bei dünneren Stoffen oder sehr feinen Arbeiten kann auch das Nähen eine Option sein. Ein Elektrotacker erleichtert die Arbeit erheblich.
Kann ich auch eine Couch selber polstern?
Eine Couch ist deutlich komplexer als ein Stuhl. Es ist ein sehr ambitioniertes Projekt, das viel Zeit, Material und Geschick erfordert. Für Anfänger ist es ratsamer, mit kleineren Projekten wie Stühlen oder Hockern zu beginnen.
Was sind ungefähr die Materialkosten?
Die Materialkosten variieren stark je nach Stoff und Füllmaterial. Für einen Stuhl liegen sie grob bei 30-80 Euro. Bei einem Sessel können es 60-150 Euro sein. Hochwertige Polsterstoffe kosten zwischen 10 und 100 Euro pro Quadratmeter.
Wo bekomme ich spezielles Polstermaterial?
Polsterstoffe und Füllmaterialien findest du in gut sortierten Stoffgeschäften, im Baumarkt oder bei speziellen Online-Händlern für Polsterbedarf.
Fazit
Polster neu beziehen ist ein lohnendes DIY-Projekt. Du sparst Geld, schonst die Umwelt und gibst deinen Möbeln einen individuellen Look. Fang mit einem einfachen Stuhl an. Wenn du den Dreh raus hast, kannst du dich an komplexere Projekte wagen. Mit Geduld und den richtigen Werkzeugen wird dein altes Möbelstück wieder zum Lieblingsstück in deinem Zuhause.



