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Türen streichen: Dein Guide für neue Farbe und frischen Look

27. Februar 2026 · Michelle Möhring

Schuhe stapeln sich, der Flur sieht chaotisch aus. Ein selbstgebauter Schuhschrank schafft Ordnung – und kostet weniger als ein gekaufter. Das Gleiche gilt für alte Türen: Sie sind oft aus Echtholz und maßgeschneidert, aber nach Jahren voller Kratzer und abgeplatzter Farbe sehen sie einfach nicht mehr schön aus. Muss deshalb gleich eine neue her? Nicht unbedingt. Türen streichen ist eine einfache und günstige Methode, um deinem Zuhause einen frischen Look zu verpassen. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Materialien gelingt dir das Projekt auch ohne viel Erfahrung.

Wir zeigen dir, wie du deine Türen Schritt für Schritt lackierst. Ob du deine Zimmertüren ohne Schleifen aufbereiten möchtest oder der alte Lack komplett runter muss – hier findest du alle wichtigen Tipps. So erstrahlen deine Türen bald wieder in neuem Glanz.

Alte Türen streichen spart Geld und schont Ressourcen. Mit der passenden Vorbereitung, wie gründlichem Reinigen und dem Einsatz eines Haftgrunds, gelingt der neue Anstrich oft sogar ohne aufwendiges Schleifen des Altanstrichs. Wasserbasierte Lacke sind geruchsarm und trocknen schnell, während lösemittelhaltige Lacke besonders robust sind und sich für stark beanspruchte Oberflächen eignen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vorbereitung ist entscheidend: Reinige die Tür gründlich, demontiere Beschläge und schütze den Boden.
  • Streichen ohne Schleifen: Ist der Altanstrich intakt, reicht oft eine Grundierung.
  • Lackauswahl: Wasserbasierte Lacke für Innenräume (geruchsarm, schnelltrocknend), lösemittelhaltige Lacke für hohe Beanspruchung (robuster).
  • Werkzeuge: Pinsel für Kanten und Profile, Rolle für Flächen. Sprühsysteme für ein sehr glattes Ergebnis.
  • Schritt-für-Schritt: Reinigen, ggf. schleifen, grundieren, erster Anstrich, Zwischenschliff, zweiter Anstrich, trocknen lassen.

Lesezeit: ca. 7 Minuten

1. Gute Vorbereitung spart Ärger

Bevor du mit dem eigentlichen Anstrich beginnst, steht die Vorbereitung an. Das ist der wichtigste Schritt, damit der neue Lack gut hält und das Ergebnis sauber aussieht. Nimm dir hierfür ausreichend Zeit.

1.1. Reinigen und Entfetten

Staub, Schmutz und Fett sind die größten Feinde eines gleichmäßigen Anstrichs. Reinige die Tür gründlich mit Wasser und einem milden Reiniger. Wichtig ist, dass die Oberfläche danach staub- und fettfrei ist. Spül mit klarem Wasser nach und lass die Tür vollständig trocknen.

1.2. Beschläge und Glas abkleben

Türgriffe, Scharniere und Schlösser solltest du am besten abmontieren. Das ist zwar etwas aufwendiger, liefert aber ein deutlich saubereres Ergebnis. Wenn du sie nicht abmontieren kannst oder möchtest, klebe sie sorgfältig mit Malerkrepp ab. Hast du eine Tür mit Glaseinsätzen, schütze diese ebenfalls akribisch mit Klebeband und Abdeckfolie.

1.3. Tür aushängen oder nicht?

Es ist einfacher, eine Tür liegend zu streichen, da der Lack so gleichmäßiger verläuft und weniger Nasen entstehen. Hänge die Tür deshalb aus und lege sie auf zwei Malerböcke oder eine stabile Unterlage. Lege unbedingt Abdeckvlies oder Folie unter, um deinen Boden zu schützen. Wenn du die Tür nicht aushängen kannst, klebe den Türrahmen und den Boden großflächig ab.

2. Türen streichen ohne Schleifen: Geht das wirklich?

Ja, oft geht das! Wenn der alte Lack noch intakt ist, nicht abblättert und keine tiefen Kratzer oder Macken hat, kannst du dir das aufwendige Schleifen sparen. Der Schlüssel dazu sind die richtigen Produkte.

2.1. Haftgrund und Primer: Der Schlüssel zum Erfolg

Ein guter Haftgrund oder Primer sorgt dafür, dass der neue Lack optimal auf der alten Oberfläche haftet. Er schafft eine gleichmäßige Basis und verhindert, dass der alte Untergrund durchschimmert oder Inhaltsstoffe aus Holz (z.B. bei Kiefer oder Fichte) Flecken verursachen. Trage den Haftgrund dünn und gleichmäßig auf und lass ihn vollständig trocknen. Achte darauf, dass der Primer für den jeweiligen Untergrund geeignet ist (Holz, Furnier, Kunststoff).

2.2. Direktlacke: Eine Alternative?

Manche Lacke sind als sogenannte 2-in-1- oder Direktlacke erhältlich. Diese versprechen, ohne Grundierung auszukommen. Sie enthalten bereits Haftvermittler und können direkt auf den gereinigten Untergrund aufgetragen werden. Lies die Herstellerangaben genau durch, um sicherzustellen, dass der Lack für dein spezifisches Projekt geeignet ist. Auch hier gilt: Eine gute Reinigung ist Pflicht!

3. Die richtige Farbe und der passende Lack

Die Wahl des richtigen Lacks beeinflusst das Ergebnis und die Haltbarkeit. Es gibt grundsätzlich zwei Haupttypen:

3.1. Wasserbasierte vs. Lösemittelbasierte Lacke

Wasserbasierte Lacke (Acryllacke):

  • Vorteile: Sie riechen kaum, sind umweltfreundlicher und trocknen schneller. Moderne Wasserlacke sind sehr robust, kratzfest und vergilben nicht, was besonders bei hellen Farbtönen wichtig ist. Ideal für Innenräume und Möbel, die nicht extrem beansprucht werden.
  • Nachteile: Trocknen manchmal zu schnell an, was die Verarbeitung erschweren kann. Bei inhaltsstoffreichen Hölzern können Verfärbungen entstehen, hier ist eine spezielle Grundierung nötig.

Lösemittelbasierte Lacke (Kunstharzlacke/Öllacke):

  • Vorteile: Sie sind extrem widerstandsfähig gegen mechanische Belastung, Chemikalien und Witterung. Sie bieten oft ein sehr glattes Finish und intensive Farbtöne. Perfekt für stark beanspruchte Oberflächen, wie zum Beispiel Außentüren oder Türen in Mietwohnungen.
  • Nachteile: Haben einen starken, oft unangenehmen Geruch und enthalten mehr flüchtige organische Verbindungen (VOC), was eine gute Belüftung und Schutzausrüstung erfordert. Die Trocknungszeit ist deutlich länger.
Tipp: Für Innentüren greifst du am besten zu wasserbasierten Acryllacken. Sie sind anwenderfreundlicher und belasten die Raumluft weniger. Für stark beanspruchte Türen, beispielsweise in Mietwohnungen oder viel genutzten Durchgängen, können lösemittelhaltige Lacke die bessere Wahl sein, da sie eine höhere Strapazierfähigkeit bieten.

3.2. Farbton und Glanzgrad wählen

Der Farbton und der Glanzgrad beeinflussen die Wirkung deiner Tür. Weißtöne wie RAL 9010 oder RAL 9016 sind zeitlos und lassen Räume heller wirken. Du kannst aber auch Akzente setzen und eine Tür in einer kräftigen Farbe streichen. Glanzgrade reichen von matt über seidenmatt bis hochglänzend. Matte Oberflächen wirken edler und kaschieren kleine Unebenheiten besser, während Hochglanzflächen sehr modern aussehen, aber eine perfekte Oberfläche erfordern.

Eigenschaft Wasserbasierter Lack (Acryllack) Lösemittelbasierter Lack (Kunstharzlack)
Geruch Gering Stark
Trocknungszeit Schnell Länger
Umweltfreundlichkeit Hoch (geringer VOC-Gehalt) Niedriger (hoher VOC-Gehalt)
Robustheit Gut, moderne Lacke sehr kratzfest Sehr hoch, widerstandsfähig
Vergilben Nein (besonders bei hellen Tönen) Ja (besonders bei hellen Tönen)

4. Werkzeuge: Rolle, Pinsel oder Sprühpistole?

Die Wahl der Werkzeuge ist entscheidend für die Qualität der Oberfläche.

4.1. Rolle und Pinsel: Klassiker für Heimwerker

  • Pinsel: Nutze einen guten Flachpinsel für Kanten, Profile und schwer zugängliche Stellen. Achte auf Borsten, die zum Lacktyp passen.
  • Rolle: Für große, glatte Flächen ist eine Lackrolle ideal. Sie sorgt für einen gleichmäßigen Farbauftrag. Wähle eine kurzflorige Schaumstoffrolle für glatte Ergebnisse bei Lacken.

4.2. Sprühsysteme: Für ein professionelles Finish

Wenn du ein sehr glattes, professionelles Ergebnis ohne Pinselstriche oder Rollenstruktur möchtest, ist ein Farbsprühsystem eine Option. Allerdings erfordert das Sprühen Übung und eine sehr gute Abdeckung der Umgebung, da Farbnebel entsteht. Moderne Wasserlacke lassen sich oft auch gut sprühen.

5. Schritt-für-Schritt-Anleitung: So streichst du deine Türen

Hier kommt die detaillierte Anleitung für dein Projekt. Beachte die Trocknungszeiten der Produkte, die du verwendest.

5.1. Schritt 1: Schleifen (falls nötig) und Grundieren

Option A: Schleifen nötig (alter Lack blättert ab, tiefe Kratzer):

  1. Entferne losen Lack mit einer Spachtel.
  2. Schleife die gesamte Tür mit grobem Schleifpapier (Körnung 80-120), um den alten Lack anzurauen oder zu entfernen. Arbeite dich dann zu feinerem Schleifpapier (Körnung 180-240) vor, um eine glatte Oberfläche zu erhalten.
  3. Fülle Macken und Löcher mit Holzspachtel und schleife die Stelle nach dem Trocknen glatt.
  4. Entferne den Schleifstaub gründlich mit einem Staubsauger und einem feuchten, fusselfreien Tuch.
  5. Trage einen passenden Haftgrund auf und lass ihn gemäß Herstellerangabe trocknen.

Option B: Ohne Schleifen (Altanstrich intakt):

  1. Nach dem Reinigen und Entfetten (siehe 1.1) trägst du direkt den Haftgrund auf. Auch hier gilt: vollständig trocknen lassen.

5.2. Schritt 2: Der erste Anstrich

Rühr den Lack gut um. Beginne mit einem Pinsel an den Füllungsprofilen und Kanten. Streiche immer „nass in nass“, also bevor der vorherige Bereich getrocknet ist, um Ansätze zu vermeiden. Für die großen Flächen verwendest du die Lackrolle. Trage den Lack gleichmäßig und in einer Richtung auf. Streiche zum Schluss einmal ohne neuen Farbauftrag in die entgegengesetzte Richtung, um eine glatte Oberfläche zu erzielen.

5.3. Schritt 3: Zwischenschliff und zweiter Anstrich

Lass den ersten Anstrich vollständig trocknen (Herstellerangaben beachten, oft 6-12 Stunden). Anschließend schleifst du die Oberfläche leicht mit sehr feinem Schleifpapier (Körnung 240 oder feiner) an. Dieser Zwischenschliff verbessert die Haftung der nächsten Schicht und glättet letzte Unebenheiten. Entferne den Schleifstaub wieder gründlich. Trage dann den zweiten Lackanstrich wie den ersten auf.

5.4. Schritt 4: Trocknungszeit und Endmontage

Lass den Lack nach dem letzten Anstrich ausreichend lange trocknen und durchhärten. Das kann je nach Lacktyp und Raumtemperatur 24 Stunden oder länger dauern. Erst wenn der Lack vollständig ausgehärtet ist, solltest du die Beschläge wieder montieren und die Tür einhängen. Wenn du das Klebeband benutzt hast, zieh es direkt nach dem letzten Anstrich ab, solange die Farbe noch nass ist. So vermeidest du, dass Farbreste mit abgerissen werden.

Wichtig: Achte beim Umgang mit Lacken immer auf gute Belüftung. Bei lösemittelhaltigen Lacken solltest du zusätzlich Handschuhe und eine Atemmaske tragen. Informiere dich über die spezifischen Sicherheitshinweise auf der Produktverpackung. Die Berufsgenossenschaft der Bauwirtschaft (BG BAU) gibt wichtige Hinweise zum Arbeitsschutz bei Malerarbeiten, besonders wenn du Gerüste oder Leitern nutzt.

6. Häufige Fehler beim Türen streichen vermeiden

Damit dein Projekt gelingt, hier die häufigsten Stolperfallen:

6.1. Läufer und Nasen

Diese entstehen, wenn du zu viel Lack auf einmal aufträgst. Arbeite lieber mit mehreren dünnen Schichten als mit einer dicken. Streiche den Lack gut aus und vermeide es, zu lange an einer Stelle zu verweilen.

6.2. Ungleichmäßiger Auftrag

Ein ungleichmäßiger Auftrag kann durch schlechte Vorbereitung, zu wenig Lack auf dem Werkzeug oder zu schnelles Trocknen entstehen. Achte auf eine saubere Oberfläche, tauche Rolle oder Pinsel ausreichend ein und arbeite zügig „nass in nass“.

Tipp: Du möchtest auch andere Möbel renovieren? Schau dir unsere Anleitung zum alte Möbel streichen an. Oder bist du mit deinen Küchenfronten unzufrieden? Dann lies mehr zum Thema Küchenfronten erneuern.
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FAQ zum Türen streichen

Muss ich alte Türen immer schleifen, bevor ich sie streiche?

Nein, nicht immer. Wenn der Altanstrich gut haftet und keine groben Beschädigungen hat, reicht es oft, die Tür gründlich zu reinigen, zu entfetten und einen passenden Haftgrund aufzutragen. Das Schleifen ist wichtig bei abblätterndem Lack oder tiefen Kratzern, damit der neue Anstrich hält und die Oberfläche glatt wird.

Welchen Lack nehme ich am besten für Innentüren?

Für Innentüren sind wasserbasierte Acryllacke die beste Wahl. Sie sind geruchsarm, umweltfreundlicher und trocknen schnell. Moderne Acryllacke bieten zudem eine gute Haltbarkeit und vergilben nicht.

Wie lange dauert es, bis gestrichene Türen trocken sind?

Die Trocknungszeit hängt stark vom Lacktyp und den Umgebungsbedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit) ab. Wasserbasierte Lacke sind oft nach wenigen Stunden überstreichbar und nach 24 Stunden grifffest. Lösemittelhaltige Lacke brauchen deutlich länger, oft 12 Stunden bis zum Überstreichen und mehrere Tage zum vollständigen Aushärten. Beachte immer die Angaben des Herstellers.

Soll ich den Türrahmen (Zarge) auch streichen?

Ja, um ein einheitliches und stimmiges Gesamtbild zu erhalten, solltest du den Türrahmen immer mitstreichen, wenn du die Tür lackierst. Die Vorbereitung und Vorgehensweise ist für Zargen ähnlich wie für das Türblatt.

Was kostet es, eine Tür zu streichen?

Die Kosten für das Streichen einer Tür sind geringer als für eine neue Tür. Du benötigst Reiniger, Schleifpapier (falls nötig), Abdeckmaterial, Pinsel, Rolle, Haftgrund und Lack. Rechne mit Materialkosten von etwa 30 bis 80 Euro pro Tür, je nach Qualität der Produkte. Ein RAL-zertifizierter Lack bietet geprüfte Qualität.

Kann man furnierte Türen streichen?

Ja, furnierte Türen kannst du ebenfalls streichen. Hier ist eine gute Vorbereitung besonders wichtig. Reinige die Oberfläche gründlich und trage unbedingt eine Grundierung auf, die für furnierte Oberflächen geeignet ist. Das verhindert, dass das Furnier aufquillt oder der Lack nicht richtig haftet.

Fazit

Türen streichen ist ein Projekt, das sich lohnt. Mit etwas Geduld und den richtigen Schritten verleihst du deinen alten Türen einen frischen Look, ohne viel Geld auszugeben. Die Auswahl des passenden Lacks – ob wasserbasiert oder lösemittelhaltig – und eine sorgfältige Vorbereitung sind entscheidend. Fang am besten mit einer unauffälligen Tür an, um dich mit den Techniken vertraut zu machen. So bekommst du schnell Routine und kannst alle Türen in deinem Zuhause erneuern.

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