Alte, unansehnliche Fliesen musst du nicht gleich herausreißen. Mit dem richtigen Fliesenlack und unserer Anleitung verleihst du ihnen einen frischen Look – und das ohne viel Schmutz und hohe Kosten. Ob in Bad, Küche oder Gäste-WC: Fliesen überstreichen ist eine beliebte Alternative zur aufwendigen Neuverfliesung. Wir zeigen dir, wie du deine Fliesen selbst lackierst und welche Fehler du vermeiden solltest, damit das Ergebnis lange hält.
Lesezeit: ca. 7 Minuten
Das Wichtigste in Kürze
- Kostenersparnis: Fliesen streichen ist bis zu 90% günstiger als eine Neuverlegung.
- Materialwahl: Nutze 2K-Fliesenlack für Böden und stark beanspruchte Bereiche, 1K-Lack für Wandfliesen.
- Vorbereitung ist alles: Gründliches Reinigen, Entfetten, Anschleifen und Entfernen von Silikonfugen sind entscheidend für die Haftung.
- Grundierung: Eine Haftgrundierung verbessert die Lackhaftung auf glatten Fliesenoberflächen erheblich.
- Trocknungszeiten beachten: Die Endaushärtung dauert je nach Produkt 5-7 Tage.
- Pflege: Verwende milde Reiniger, um den Lack nicht zu beschädigen und die Haltbarkeit zu sichern.
Inhaltsverzeichnis
- Darum solltest du alte Fliesen streichen
- Fliesen lackieren: Diese Materialien und Werkzeuge brauchst du
- Fliesen vorbereiten: Der wichtigste Schritt für perfekte Ergebnisse
- Fliesen grundieren: Für optimale Haftung
- Fliesenlack auftragen: Schicht für Schicht zur neuen Optik
- Trocknungszeit und Aushärtung: Geduld zahlt sich aus
- Silikonfugen erneuern: Der letzte Schliff
- Was kostet Fliesen überstreichen?
- Fliesen streichen vs. Fliesenfolie und Alternativen
- Häufige Fehler beim Fliesen streichen vermeiden
- Wann solltest du einen Profi beauftragen?
- FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Fliesen streichen
- Fazit
Deine Fliesen im Bad oder in der Küche sind in die Jahre gekommen, aber eine komplette Renovierung ist dir zu aufwendig oder zu teuer? Dann ist das Überstreichen alter Fliesen eine hervorragende Lösung. Du kannst damit nicht nur Geld sparen, sondern auch schnell und unkompliziert einen frischen Wind in deine Räume bringen. Diese Methode eignet sich besonders gut für Mietwohnungen, da sie reversibel sein kann und den Untergrund nicht dauerhaft verändert.

Darum solltest du alte Fliesen streichen
Das Streichen von Fliesen bietet zahlreiche Vorteile. Einer der größten ist die enorme Kostenersparnis gegenüber einer Neuverfliesung. Du kannst bis zu 90 Prozent der Kosten sparen. Außerdem ist die Umgestaltung schnell erledigt, oft schon innerhalb eines Wochenendes. Statt Staub, Lärm und Schutt hast du ein sauberes Ergebnis. Du hast zudem die volle Freiheit bei der Farbwahl und kannst deinem Raum einen individuellen Touch verleihen. Besonders für Wandfliesen in Küche, Bad oder WC ist diese Methode ideal. Auch wenig genutzte Bodenfliesen, etwa im Gäste-WC, lassen sich gut lackieren.
Fliesen lackieren: Diese Materialien und Werkzeuge brauchst du
Für ein erfolgreiches Projekt „Fliesen lackieren“ benötigst du die richtigen Materialien und Werkzeuge. Hier eine Übersicht:
Fliesen vorbereiten: Der wichtigste Schritt für perfekte Ergebnisse
Die gründliche Vorbereitung des Untergrunds ist entscheidend für die Haftung und Haltbarkeit des Fliesenlacks. Diesen Schritt solltest du keinesfalls unterschätzen oder abkürzen.
1. Silikonfugen entfernen
Fliesenlack hält nicht auf Silikon. Deshalb musst du alle alten Silikonfugen restlos entfernen. Nutze dafür ein Cuttermesser und einen speziellen Silikonentferner. Achte darauf, auch kleine Reste zu beseitigen. Eine Anleitung dazu findest du auch hier: Silikonfugen entfernen: Anleitung für saubere Fugen (2026).
2. Gründliche Reinigung und Entfettung
Reinige die Fliesen und Fugen sorgfältig. Fett, Öl, Kalk, Seifenreste oder Schmutz müssen restlos verschwunden sein. Verwende dafür einen speziellen Fliesenreiniger oder einen Entfetter. Wichtig: Keine seifenhaltigen Reiniger oder Scheuermilch verwenden, da diese Fettrückstände hinterlassen können, die die Haftung des Lacks beeinträchtigen. Spüle anschließend alles gründlich mit klarem Wasser ab und lasse die Fläche vollständig trocknen.
3. Fliesen anschleifen (optional, aber empfohlen)
Um die Haftung der Grundierung und des Lacks zu verbessern, raust du die Fliesenoberfläche leicht an. Verwende dafür feines Schleifpapier (Körnung 180-240) oder einen Schleifschwamm. Nach dem Schleifen den Schleifstaub gründlich mit einem Staubsauger und einem feuchten Mikrofasertuch entfernen.
Fliesen grundieren: Für optimale Haftung
Eine gute Grundierung ist das A und O, damit der Fliesenlack auf der glatten Oberfläche der Fliesen richtig haftet. Es gibt zwar 2-in-1-Produkte, die Grundierung und Lack kombinieren, aber separate Produkte sorgen meist für eine längere Haltbarkeit.
1. Grundierung auftragen
Rühre die Haftgrundierung gut durch. Trage sie dann gleichmäßig und zügig mit einer feinen Schaumstoffrolle auf die Fliesen auf. Beginne am besten mit den Fugen und arbeite dich dann über die Fliesen vor. Achte darauf, dass keine Pfützen entstehen.
2. Trocknungszeit der Grundierung
Lasse die Grundierung vollständig trocknen und aushärten. Die genaue Trocknungszeit entnimmst du den Herstellerangaben auf der Verpackung. Dies kann zwischen 16 und 24 Stunden liegen. Eine nicht vollständig getrocknete Grundierung kann das Lackierergebnis negativ beeinflussen.

Fliesenlack auftragen: Schicht für Schicht zur neuen Optik
Nachdem die Grundierung komplett getrocknet ist, geht es an den eigentlichen Anstrich mit dem Fliesenlack.
1. Lack anmischen und vorbereiten
Bei 2K-Lacken musst du Lack und Härter im vom Hersteller angegebenen Verhältnis mischen. Rühre die Mischung mindestens eine Minute gut um. Beachte die Topfzeit des Lacks (Verarbeitungszeit nach dem Mischen), die bei 2K-Lacken oft nur 1-5 Stunden beträgt. Mische daher nur so viel Lack an, wie du in diesem Zeitraum verarbeiten kannst.
2. Erste Lackschicht auftragen
Trage den Fliesenlack dünn und gleichmäßig mit einer feinen Schaumstoffrolle auf. Beginne wieder mit den Fugen und streiche dann die Fliesen in Kreuzbewegungen (horizontal und vertikal), um eine gleichmäßige Deckkraft zu erzielen. Arbeite zügig und nass-in-nass in Abschnitten von etwa vier mal vier Fliesen, um Ansätze zu vermeiden.
3. Zwischenschleifen und zweite Lackschicht
Nach der ersten Trocknungszeit (Herstellerangaben beachten, oft 4-12 Stunden) kannst du bei Bedarf einen leichten Zwischenschliff mit feinem Schleifpapier durchführen, um Unebenheiten zu entfernen. Entferne den Schleifstaub und trage dann eine zweite dünne Lackschicht auf. Zwei dünne Schichten ergeben meist ein besseres und haltbareres Ergebnis als eine dicke Schicht.
Trocknungszeit und Aushärtung: Geduld zahlt sich aus
Die Trocknungszeit und die vollständige Aushärtung des Fliesenlacks sind entscheidend für seine Haltbarkeit und Widerstandsfähigkeit.
- Oberflächentrocken: Nach 4-12 Stunden ist der Lack meist oberflächentrocken.
- Begehbar: Bodenfliesen sind nach ca. 24 Stunden begehbar.
- Endhärte/vollständige Aushärtung: Die volle Belastbarkeit und Endhärte ist erst nach 5-7 Tagen erreicht. In dieser Zeit solltest du die Fläche möglichst schonen und nicht voll belasten.
Silikonfugen erneuern: Der letzte Schliff
Nachdem der Fliesenlack vollständig ausgehärtet ist, kannst du die Silikonfugen erneuern. Das sorgt nicht nur für eine saubere Optik, sondern schützt auch vor Feuchtigkeit. Verwende hierfür Sanitärsilikon, das speziell für Feuchträume geeignet ist und Schimmelbildung vorbeugt. Eine genaue Anleitung zum Verfugen findest du hier: Fliesen verfugen: Anleitung für perfekte Fugen (2026).
Was kostet Fliesen überstreichen?
Die Kosten für das Überstreichen von Fliesen sind deutlich geringer als eine Neuverlegung. Sie hängen von der Fläche, der Art des Lacks (1K oder 2K) und davon ab, ob du es selbst machst oder einen Profi beauftragst.
Insgesamt kannst du bei der Do-it-yourself-Variante mit Materialkosten von etwa 20 bis 200 Euro rechnen, je nach Fläche und Produktwahl.
Fliesen streichen vs. Fliesenfolie und Alternativen
Neben dem Fliesen streichen gibt es weitere Methoden, um alte Fliesen zu verschönern:
Fliesenfolie
Selbstklebende Fliesenfolien sind eine schnelle und rückstandslose Lösung, besonders für einzelne Fliesen oder kleinere Flächen. Sie sind in vielen Designs erhältlich und können sogar Fugen überdecken, wenn diese vorher verspachtelt werden. Der Vorteil ist die einfache Anbringung und Entfernbarkeit. Der Nachteil: Bei genauem Hinsehen kann man erkennen, dass es sich um Folie handelt, und die Haltbarkeit ist oft geringer als bei Lack.
Weitere Alternativen
- Fliese auf Fliese: Wenn der Untergrund tragfähig ist, können neue Fliesen direkt auf die alten verlegt werden. Dies spart den Abriss, erhöht aber die Aufbauhöhe.
- Mikrozement: Eine fugenlose, moderne Optik lässt sich mit Mikrozement erzielen. Die alten Fliesen dienen als Untergrund, die Fugen müssen aber vorher egalisiert werden.
- Fliesen verputzen: Mit speziellem Feuchtraumputz lassen sich Fliesen überputzen. Auch hier sind viele Gestaltungsmöglichkeiten von schlicht bis Strukturoptik denkbar.
Häufige Fehler beim Fliesen streichen vermeiden
Damit dein Projekt gelingt, solltest du typische Fehler beim Fliesen streichen kennen und vermeiden:
- Unzureichende Vorbereitung: Der häufigste Fehler. Schmutz, Fett, Kalk oder Silikonreste verhindern eine gute Haftung.
- Falscher Lack: Nicht jeder Lack eignet sich für Fliesen. Wähle einen wasserfesten und abriebfesten Fliesenlack, idealerweise einen 2K-Lack für Feuchträume und Böden.
- Zu dicker Lackauftrag: Trage lieber zwei dünne Schichten auf als eine dicke. Zu viel Lack kann verlaufen, Tropfspuren hinterlassen oder ungleichmäßig trocknen.
- Zu frühes Entfernen des Abklebebands: Warte, bis der Lack oberflächentrocken ist, aber nicht vollständig ausgehärtet, sonst reißt der Lack an den Kanten ein.
- Missachtung der Trocknungszeiten: Ungeduld führt zu Schäden. Halte die vom Hersteller angegebenen Trocknungs- und Aushärtezeiten unbedingt ein.
- Lackieren von Silikonfugen: Fliesenlack haftet nicht dauerhaft auf Silikon. Fugen müssen vorher entfernt und nach dem Lackieren erneuert werden.
- Falsche Rollen/Pinsel: Verwende feine Schaumstoffrollen für einen gleichmäßigen Farbauftrag und Pinsel für Ecken.
Wann solltest du einen Profi beauftragen?
Obwohl das Fliesen streichen ein beliebtes DIY-Projekt ist, gibt es Situationen, in denen die Beauftragung eines Fachmanns sinnvoll ist:
- Stark beschädigte Fliesen: Bei losen, gerissenen oder stark beschädigten Fliesen ist eine Neuverlegung oft die langfristig bessere Lösung.
- Stark beanspruchte Bereiche: Für Duschkabinen oder stark frequentierte Bodenflächen ist die Haltbarkeit von Fliesenlack begrenzt. Ein Profi kann hier die beste Lösung (z.B. Fliese auf Fliese oder Mikrozement) empfehlen.
- Fehlende Erfahrung: Wenn du unsicher bist oder keine Erfahrung im Lackieren hast, kann ein Profi ein gleichmäßigeres und langlebigeres Ergebnis erzielen.
- Garantie und Gewährleistung: Ein Fachbetrieb bietet Gewährleistung auf seine Arbeit.
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FAQ: Häufig gestellte Fragen zum Fliesen streichen
H3 Können alle Fliesen überstrichen werden?
Ja, prinzipiell können die meisten glasierten Keramikfliesen überstrichen werden. Nicht geeignet sind Fliesen mit stark beschädigter oder poröser Oberfläche. Für Bodenfliesen und Nassbereiche solltest du immer einen hochwertigen 2K-Fliesenlack verwenden.
H3 Wie lange hält Fliesenlack?
Die Haltbarkeit gestrichener Fliesen hängt stark von der Qualität des Lacks, der Vorbereitung und der Beanspruchung ab. Bei fachgerechter Anwendung und hochwertigen Materialien können gestrichene Fliesen mehrere Jahre halten. In stark genutzten Bereichen wie dem Boden kann es aber sein, dass du nach 2 bis 3 Jahren nachstreichen musst.
H3 Ist Fliesen streichen auch in Mietwohnungen erlaubt?
Grundsätzlich ja, da es sich um eine optische Veränderung handelt, die in der Regel reversibel ist. Es ist aber ratsam, vorher mit dem Vermieter Rücksprache zu halten, um spätere Probleme zu vermeiden.
H3 Muss ich vor dem Fliesen streichen grundieren?
Ja, eine Haftgrundierung ist fast immer notwendig. Sie verbessert die Haftung des Fliesenlacks auf der glatten Fliesenoberfläche erheblich und sorgt für ein langlebiges Ergebnis.
H3 Kann ich Fliesen auch in der Dusche streichen?
Für Flächen, die regelmäßig direkt mit Wasser in Kontakt kommen, wie in Duschkabinen, ist das Streichen mit Fliesenlack nur bedingt zu empfehlen. Wenn du es dennoch tust, musst du unbedingt einen hochwertigen 2K-Lack verwenden und diesen zusätzlich mit einer speziellen Fliesenversiegelung schützen. Die Haltbarkeit ist hier jedoch begrenzt und das Risiko von Abplatzungen höher.
H3 Welche Reiniger darf ich für gestrichene Fliesen verwenden?
Verwende milde, nicht scheuernde Reinigungsmittel. Aggressive Reiniger oder Scheuermilch können die Lackoberfläche beschädigen und matt werden lassen. Am besten sind pH-neutrale Reiniger und weiche Tücher oder Schwämme.
Fazit
Alte Fliesen überstreichen ist eine attraktive und kostengünstige Möglichkeit, deinen Räumen schnell ein neues Aussehen zu verleihen. Mit der richtigen Vorbereitung, dem passenden Material und etwas Geduld kannst du ein professionelles Ergebnis erzielen. Achte besonders auf die gründliche Reinigung, das Entfernen alter Silikonfugen und die Einhaltung der Trocknungszeiten. So werden deine gestrichenen Fliesen lange schön bleiben.



