Du willst ein Regal aufhängen, eine Lampe befestigen oder etwas im Keller montieren, aber die Wand ist aus Beton? Keine Sorge, bohren in Beton ist mit dem richtigen Wissen und Werkzeug kein Hexenwerk. Viele Heimwerker scheitern am harten Material, weil sie nicht wissen, wie sie vorgehen müssen.
Dieser Ratgeber zeigt dir Schritt für Schritt, wie du Betonwände sauber und sicher durchbohrst. Wir klären, welche Maschine und welcher Bohrer für Beton wirklich taugen und worauf du bei der Vorbereitung achten solltest.
Das Wichtigste in Kuerze
- Wähle zwischen Schlagbohrmaschine (für leichten Beton) und Bohrhammer (für harten Beton) – der Bohrhammer ist deutlich effektiver.
- Setze nur spezielle Betonbohrer mit Hartmetallspitze und passender SDS-Aufnahme ein.
- Trage immer Schutzkleidung: Schutzbrille, Gehörschutz, Handschuhe.
- Prüfe die Wand vor dem Bohren auf Strom-, Wasser- und Gasleitungen.
- Bohre in mehreren Schritten, pausiere und reinige das Bohrloch regelmäßig.
Inhaltsverzeichnis
- Warum ist Bohren in Beton so anspruchsvoll?
- Das richtige Werkzeug zum Bohren in Beton: Schlagbohrmaschine oder Bohrhammer?
- Der passende Betonbohrer: SDS-Plus, SDS-Max und andere Typen
- Sicherheit und Vorbereitung: Das musst du beachten, bevor du bohrst
- Bohren in Beton: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
- Dübel und Schrauben: Die richtige Befestigung in Beton
- Häufige Fehler beim Bohren in Beton vermeiden
- FAQ zum Bohren in Beton
- Fazit
Schuhe stapeln sich, der Flur sieht chaotisch aus. Ein selbstgebauter Schuhschrank schafft Ordnung – und kostet weniger als ein gekaufter. Wenn du aber in eine Betonwand bohren musst, um diesen oder andere Gegenstände zu befestigen, brauchst du das passende Know-how.

Warum ist Bohren in Beton so anspruchsvoll?
Beton ist ein extrem harter Baustoff. Er besteht aus Zement, Wasser, Sand und Kies oder Splitt. Beim Erhärten des Zementleims entsteht ein künstlicher Stein, der eine hohe Druckfestigkeit besitzt. Diese Festigkeit wird in sogenannten Festigkeitsklassen angegeben, zum Beispiel C20/25 oder C30/37. Die Zahlen geben die Mindestdruckfestigkeit in N/mm² an, gemessen an zylindrischen und kubischen Probekörpern nach 28 Tagen.
Diese Dichte und Härte machen Beton so widerstandsfähig gegen Druck und damit schwer zu durchbohren. Normale Bohrmaschinen oder Steinbohrer sind hier schnell überfordert. Sie würden überhitzen, stumpf werden und kaum Fortschritte machen. Manchmal triffst du auch auf Armierungen, also Stahlstäbe im Beton, die die Festigkeit zusätzlich erhöhen.
Das richtige Werkzeug zum Bohren in Beton: Schlagbohrmaschine oder Bohrhammer?
Um in Beton zu bohren, brauchst du eine Maschine, die nicht nur dreht, sondern auch schlägt. Hier kommen zwei Werkzeugtypen infrage: die Schlagbohrmaschine und der Bohrhammer. Beide erzeugen einen Schlag, aber auf unterschiedliche Weise und mit unterschiedlicher Intensität.
Die Schlagbohrmaschine
Eine Schlagbohrmaschine arbeitet mit einem mechanischen Schlagwerk. Zwei Zahnräder reiben aneinander und erzeugen Vibrationen, die auf den Bohrer übertragen werden. Du musst dabei selbst kräftig aufdrücken, damit der Schlagmechanismus richtig funktioniert. Für weichere Materialien wie Ziegel, Kalksandstein oder Gasbeton ist das oft ausreichend. Auch für leichten Beton kann eine starke Schlagbohrmaschine mit mindestens 650 Watt ausreichen.
Ihr Vorteil: Viele Modelle sind vielseitig einsetzbar. Du kannst die Schlagfunktion oft abschalten und die Maschine dann zum Bohren in Holz oder Metall nutzen, oder sogar zum Schrauben.
Der Bohrhammer
Der Bohrhammer ist der Champion, wenn es ums Bohren in Beton geht. Er besitzt ein pneumatisches Schlagwerk. Das bedeutet, ein Kolben erzeugt durch Luftdruck einen kräftigen Schlag, der direkt auf den Bohrer wirkt. Du brauchst hier kaum Anpressdruck, die Maschine macht die Arbeit fast von allein. Seine Schlagenergie ist deutlich höher als die einer Schlagbohrmaschine.
Bohrhämmer sind speziell für harte Materialien wie Beton, Naturstein oder Granit gedacht. Sie sind ideal für größere Bohrdurchmesser und schwere Arbeiten. Viele Bohrhämmer bieten auch eine Meißelfunktion, um Fliesen zu entfernen oder kleine Durchbrüche zu stemmen.
Der passende Betonbohrer: SDS-Plus, SDS-Max und andere Typen
Ohne den richtigen Bohrer nützt dir auch die beste Maschine nichts. Für Beton brauchst du spezielle Bohrer mit Hartmetallspitze. Diese sind deutlich widerstandsfähiger und können die harten Zuschlagstoffe im Beton zerkleinern.
Das SDS-System: Steck – Dreh – Sitz
Die meisten Bohrhämmer nutzen das SDS-System (Steck – Dreh – Sitz). Dieses spezielle Bohrfutter erlaubt, dass der Bohrer sich axial im Futter bewegen kann. Das ist wichtig, damit der Schlagmechanismus effektiv arbeiten kann. Es gibt zwei gängige SDS-Systeme:
- SDS-Plus: Das ist der Standard für Heimwerker und viele Profis. SDS-Plus-Bohrer haben einen Schaftdurchmesser von 10 mm und meist vier Nuten. Sie eignen sich für Bohrdurchmesser bis etwa 26-30 mm.
- SDS-Max: Dieses System ist für schwere Einsätze und größere Bohrdurchmesser gedacht. SDS-Max-Bohrer haben einen Schaftdurchmesser von 18 mm und fünf Nuten für maximale Kraftübertragung. Sie kommen bei Bohrdurchmessern ab etwa 18 mm bis über 50 mm zum Einsatz.
Wichtig: SDS-Plus- und SDS-Max-Werkzeuge sind nicht kompatibel. Achte darauf, dass Bohrer und Maschine zusammenpassen!
Qualitätsmerkmale guter Betonbohrer
Achte beim Kauf auf folgende Punkte:
- Hartmetallspitze: Sie muss scharf und robust sein. Oft sind es 2-Schneiden- oder 4-Schneiden-Bohrer (Quadro X Bohrspitze) für schnelleren Bohrfortschritt und besseren Schutz bei Armierungstreffern.
- Wendel-Nut: Eine gute Wendel sorgt für den schnellen Abtransport des Bohrmehls. Das verhindert Überhitzung und Blockaden.
- PGM-Prüfzeichen: Dieses Zeichen garantiert, dass der Bohrer die strengen Anforderungen des Prüfgemeinschaft Mauerbohrer erfüllt. Das ist besonders wichtig für Dübelbefestigungen, die eine exakte Bohrlochgeometrie erfordern.

Sicherheit und Vorbereitung: Das musst du beachten, bevor du bohrst
Sicherheit geht vor, besonders beim Bohren in Beton. Plane deine Arbeit sorgfältig. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) bietet hierzu wichtige Hinweise zum sicheren Bohren.
Persönliche Schutzausrüstung (PSA)
Trage immer die richtige Schutzausrüstung:
- Schutzbrille: Schützt deine Augen vor umherfliegenden Betonpartikeln.
- Gehörschutz: Bohrhämmer sind laut. Ein Gehörschutz ist Pflicht, um Hörschäden zu vermeiden.
- Arbeitshandschuhe: Schützen deine Hände vor Verletzungen und Vibrationen.
- Staubmaske: Betonstaub ist lungengängig. Eine FFP2-Maske schützt deine Atemwege.
- Feste Kleidung: Vermeide weite Kleidung, die sich in der Maschine verfangen könnte.
Wand auf Leitungen prüfen
Bevor du das erste Loch bohrst, musst du die Wand auf verborgene Leitungen prüfen. Stromkabel, Wasserleitungen oder Gasrohre sind im Beton unsichtbar, aber lebensgefährlich, wenn du sie triffst. Nutze dafür einen Leitungsfinder (Ortungsgerät). Führe ihn mehrmals über die geplante Bohrstelle. Die BG BAU weist auf die Gefahren durch unkontrolliert bewegte Maschinen- und Werkzeugteile sowie Stromschläge hin.
Bohrstelle markieren und sichern
Markiere die Bohrstelle genau. Ein Kreuz oder ein Punkt hilft dir, den Bohrer präzise anzusetzen. Wenn du in der Nähe von Möbeln oder empfindlichen Oberflächen bohrst, decke diese ab. Betonstaub verteilt sich schnell und ist schwer zu entfernen.
Bohren in Beton: Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung
Mit der richtigen Vorbereitung und dem passenden Werkzeug geht das Bohren in Beton leichter als gedacht:
- Bohrer einspannen: Wähle den passenden Betonbohrer und spanne ihn fest ins Bohrfutter deiner Schlagbohrmaschine oder deines Bohrhammers ein. Bei SDS-Systemen ist das meist ein einfaches Stecksystem.
- Maschine einstellen: Schalte die Schlagfunktion ein. Wähle eine geeignete Drehzahl. Beginne lieber mit einer niedrigeren Drehzahl und steigere sie bei Bedarf.
- Ansetzen: Setze den Bohrer genau auf deiner Markierung an. Halte die Maschine fest und gerade.
- Bohren: Bei einer Schlagbohrmaschine musst du gleichmäßigen Druck ausüben. Beim Bohrhammer reicht das Eigengewicht der Maschine. Lass die Maschine arbeiten. Vermeide zu hohen Druck, der den Bohrer überhitzen kann.
- Bohrloch reinigen: Zieh den Bohrer regelmäßig aus dem Loch und reinige es von Bohrmehl. Ein Staubsauger ist hier ideal. Das kühlt den Bohrer und verbessert den Bohrfortschritt.
- Tiefe prüfen: Miss zwischendurch die Bohrtiefe. Viele Bohrmaschinen haben einen Tiefenanschlag, den du vorher einstellen kannst.
- Fertigstellen: Wenn die gewünschte Tiefe erreicht ist, ziehe den Bohrer langsam und drehend aus dem Loch.
Dübel und Schrauben: Die richtige Befestigung in Beton
Nach dem Bohren in Beton kommt die Befestigung. Beton erfordert spezielle Dübel, die seine hohe Dichte und Festigkeit nutzen. Die Auswahl des richtigen Dübels ist entscheidend für die Tragfähigkeit deiner Befestigung. Die DIN EN 1992-4 regelt die Bemessung von Verankerungsmitteln in Beton.
Welche Dübel für Beton?
- Spreizdübel: Das sind die Klassiker. Beim Eindrehen der Schraube spreizt sich der Dübel im Bohrloch und verklemmt sich fest im Beton. Achte auf Dübel aus Nylon oder Metall, die für Beton zugelassen sind.
- Schwerlastdübel (Metalldübel): Für schwere Lasten wie Markisen, Geländer oder große Regale sind Schwerlastdübel aus Metall die beste Wahl. Sie bieten eine sehr hohe Tragfähigkeit.
- Verbundmörtel/Injektionsdübel: Hier wird ein spezieller Mörtel in das Bohrloch gespritzt, in den dann eine Gewindestange oder ein Anker eingesetzt wird. Nach dem Aushärten entsteht eine extrem feste Verbindung, die auch in rissigem Beton hält.
Achte immer auf die Angaben des Dübelherstellers. Er gibt die empfohlene Bohrtiefe, den Bohrdurchmesser und die maximale Last an. Die Bohrlochreinigung ist hier besonders wichtig, damit der Dübel optimal halten kann.
Häufige Fehler beim Bohren in Beton vermeiden
Unerfahrene Heimwerker machen oft die gleichen Fehler beim Bohren in Beton. Hier sind die häufigsten und wie du sie umgehst:
- Falsches Werkzeug: Eine normale Bohrmaschine oder eine schwache Schlagbohrmaschine sind für Beton ungeeignet. Investiere in einen Bohrhammer oder eine leistungsstarke Schlagbohrmaschine.
- Falscher Bohrer: Metall- oder Holzbohrer haben in Beton nichts verloren. Sie werden sofort stumpf. Nutze immer Betonbohrer mit Hartmetallspitze.
- Keine Schutzausrüstung: Augenverletzungen oder Hörschäden sind keine Seltenheit. Schutzbrille und Gehörschutz sind Pflicht.
- Wand nicht geprüft: Leitungen anzubohren ist extrem gefährlich. Ein Leitungsfinder ist ein Muss.
- Zu viel Druck: Besonders bei Schlagbohrmaschinen neigen viele dazu, zu stark zu drücken. Das führt zu Überhitzung des Bohrers und der Maschine. Lass die Maschine arbeiten.
- Bohrloch nicht gereinigt: Bohrmehl im Loch reduziert die Haltekraft des Dübels erheblich. Sauge das Loch gründlich aus.
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FAQ zum Bohren in Beton
Welche Maschine ist am besten für Beton geeignet?
Ein Bohrhammer mit pneumatischem Schlagwerk ist am besten geeignet, um in Beton zu bohren. Er liefert eine hohe Schlagenergie und durchdringt das Material effizienter als eine Schlagbohrmaschine.
Kann ich mit einer Schlagbohrmaschine in Beton bohren?
Ja, eine leistungsstarke Schlagbohrmaschine kann für leichten Beton oder kleinere Bohrdurchmesser ausreichen. Für harten Beton oder größere Löcher ist ein Bohrhammer jedoch deutlich effektiver und kräfteschonender.
Welchen Bohrer brauche ich für Beton?
Du brauchst einen speziellen Betonbohrer mit Hartmetallspitze. Für Bohrhämmer sind Bohrer mit SDS-Plus- oder SDS-Max-Aufnahme notwendig, je nach Maschinentyp.
Muss ich eine Schutzbrille tragen, wenn ich in Beton bohre?
Ja, das Tragen einer Schutzbrille ist absolut notwendig. Beim Bohren in Beton können kleine Gesteinspartikel mit hoher Geschwindigkeit weggeschleudert werden und deine Augen schwer verletzen.
Wie tief sollte ich für Dübel in Beton bohren?
Bohre immer etwas tiefer als die Länge des Dübels. So hat der Dübel genug Platz und kann sich optimal spreizen. Die genaue Bohrtiefe findest du auf der Verpackung des Dübels.
Was tun, wenn ich eine Stahlarmierung treffe?
Wenn du auf eine Stahlarmierung triffst und der Bohrer nicht weiterkommt, ändere die Bohrstelle um einige Zentimeter. Versuche nicht, mit einem normalen Betonbohrer durch Stahl zu bohren, da dies den Bohrer beschädigt und gefährlich sein kann.
Fazit
Bohren in Beton ist mit dem richtigen Werkzeug und der passenden Technik für jeden Heimwerker machbar. Ein Bohrhammer mit SDS-Bohrern ist die beste Wahl. Achte immer auf deine Sicherheit und prüfe die Wand vorab auf Leitungen. Mit etwas Geduld und der Einhaltung der Schritte gelingen dir saubere und sichere Löcher in jeder Betonwand.


