Schuhe stapeln sich, der Flur sieht chaotisch aus. Oder brauchst du einfach einen neuen Raum? Eine Trockenbauwand aus Rigips ist die schnelle und flexible Lösung, um Räume neu aufzuteilen oder unschöne Ecken zu verkleiden. Mit etwas Planung und den richtigen Tricks kannst du Rigips verarbeiten wie ein Profi – auch als Anfänger.

Das Wichtigste in Kuerze
- Plane deine Trockenbauwand genau: Skizze, Materialbedarf, Positionierung von Türen und Fenstern.
- Baue ein stabiles Ständerwerk aus Metallprofilen oder Holzlatten.
- Schneide Rigipsplatten passgenau zu und befestige sie mit speziellen Schnellbauschrauben.
- Spachtle die Fugen sauber und verwende Armierungsband, um Risse zu vermeiden.
- Schleife die gespachtelten Flächen glatt und grundiere sie vor dem Endanstrich oder Tapezieren.
Inhaltsverzeichnis
- Planung und Vorbereitung: Der erste Schritt zum Erfolg
- Material und Werkzeug für Rigipsarbeiten
- Ständerwerk bauen: Die Basis deiner Trockenbauwand
- Rigipsplatten schneiden und montieren
- Rigips spachteln: Fugen und Schrauben perfekt verstecken
- Rigips schleifen: Für eine makellose Oberfläche
- Was kostet eine Rigips-Trockenbauwand?
- Häufige Fehler beim Rigips verarbeiten und wie du sie vermeidest
- Rigips selber machen oder den Profi beauftragen?
- FAQ: Häufige Fragen zum Rigips verarbeiten
- Fazit
Planung und Vorbereitung: Der erste Schritt zum Erfolg
Bevor du mit dem Rigips verarbeiten beginnst, ist eine gründliche Planung entscheidend. Überlege genau, wo die neue Wand stehen soll und welche Funktion sie erfüllen muss. Benötigst du zum Beispiel Steckdosen oder Lichtschalter? Oder soll die Wand später tapeziert oder gestrichen werden?
Skizze und Materialbedarf berechnen
Zeichne einen genauen Grundriss deiner neuen Wand. Miss die Länge und Höhe und kalkuliere den Materialbedarf:
- Rigipsplatten: Berechne die Gesamtfläche und addiere ca. 10% Verschnitt. Platten gibt es in verschiedenen Stärken (z.B. 12,5 mm Standard).
- Metallprofile: Für Boden (UW-Profile), Decke (UW-Profile) und Ständer (CW-Profile). Rechne die Längen aus und plane für Türen und Fenster zusätzliche Profile ein.
- Schrauben: Schnellbauschrauben für Rigipsplatten (ca. 17 Stück pro Quadratmeter), Blechschrauben für das Ständerwerk.
- Spachtelmasse: Füllspachtel für die erste Schicht, Feinspachtel für die zweite.
- Armierungsband: Für alle Fugen.
- Dämmung: Wenn du Schall- oder Wärmeschutz möchtest (Mineralwolle).
Material und Werkzeug für Rigipsarbeiten
Für das Rigips verarbeiten benötigst du einige spezifische Werkzeuge. Eine gute Ausstattung erleichtert die Arbeit enorm und sorgt für ein professionelles Ergebnis.
Ständerwerk bauen: Die Basis deiner Trockenbauwand
Das Ständerwerk ist das Gerüst deiner Trockenbauwand. Es muss stabil und exakt ausgerichtet sein, damit deine Rigipsplatten später gerade sitzen.
Profile anzeichnen und befestigen
- Position anzeichnen: Übertrage die genaue Position der Wand mit einer Schlagschnur oder einem Bleistift auf Boden, Decke und angrenzende Wände.
- Dichtungsband anbringen: Klebe Dichtungsband auf die Rückseiten der UW- und CW-Profile, die Kontakt zu Boden, Decke und Wänden haben. Das verbessert den Schallschutz.
- Boden- und Deckenprofile (UW-Profile) montieren: Bohre Löcher und befestige die UW-Profile mit Dübeln und Schrauben am Boden und an der Decke. Der Abstand der Befestigungspunkte sollte ca. 50 cm betragen. Achte darauf, dass sie exakt parallel verlaufen.
- Wandanschlussprofile (CW-Profile) montieren: Befestige die CW-Profile an den angrenzenden Wänden. Auch hier wieder mit Dichtungsband und Dübeln.
- Ständerprofile (CW-Profile) einsetzen: Stecke die CW-Profile in die UW-Profile. Der Achsabstand der Ständer sollte 62,5 cm betragen, damit die 125 cm breiten Rigipsplatten genau mittig verschraubt werden können.
- Türen und Fenster: Für Tür- und Fensterausschnitte werden zusätzliche Profile benötigt, die einen stabilen Rahmen bilden. Achte darauf, dass die Profile die Öffnung vollständig umschließen.
Rigipsplatten schneiden und montieren
Das Zuschneiden und Anbringen der Rigipsplatten ist der nächste große Schritt beim Rigips verarbeiten.
Rigipsplatten zuschneiden für saubere Kanten
Lege die Rigipsplatte auf eine feste, ebene Unterlage. Miss die benötigte Länge und zeichne sie an. Mit einem Cuttermesser und einer Richtlatte ritzt du die Kartonschicht auf der Vorderseite ein. Dann schiebst du die Platte über die Kante der Unterlage und brichst sie entlang der Ritzlinie. Zum Schluss schneidest du den Karton auf der Rückseite durch. Für saubere Kanten kannst du einen Gipskartonhobel verwenden.
Rigipsplatten befestigen: So sitzen sie bombenfest
Beginne mit der Beplankung einer Seite des Ständerwerks. Achte darauf, dass die Platten einen kleinen Abstand (ca. 5-10 mm) zum Boden haben, um Feuchtigkeitsschutz und Schallentkopplung zu gewährleisten. Du kannst hierfür Keile unterlegen.
Verschraube die Rigipsplatten mit Schnellbauschrauben am Ständerwerk. Der Schraubenabstand sollte an den Kanten ca. 10 cm und in der Fläche ca. 17 cm betragen. Die Schraubenköpfe müssen leicht im Karton versenkt werden, aber nicht den Karton durchstoßen. Ein Akkuschrauber mit Tiefenanschlag ist hier Gold wert. Welche Schraubenarten es gibt, erfährst du hier.
Nachdem die erste Seite beplankt ist, kannst du eventuell benötigte Dämmung (z.B. Mineralwolle) in das Ständerwerk einlegen.
Anschließend beplankst du die zweite Seite. Achte darauf, dass die Fugen der zweiten Seite versetzt zu denen der ersten Seite liegen. Dies erhöht die Stabilität und den Schallschutz.

Rigips spachteln: Fugen und Schrauben perfekt verstecken
Das Rigips spachteln ist entscheidend für eine glatte, streich- oder tapezierfähige Oberfläche. Nimm dir hierfür ausreichend Zeit.
Schritt für Schritt zum perfekten Spachtelergebnis
- Fugen vorbereiten: Entferne lose Kartonfasern und Staub.
- Erste Spachtelung (Füllspachtel): Fülle alle Fugen und die Schraubenlöcher mit Füllspachtelmasse. Drücke die Masse gut ein.
- Armierungsband einlegen: Lege sofort nach der ersten Spachtelung das Armierungsband (Fugenband) in die noch feuchte Spachtelmasse und drücke es leicht an. Das Band verhindert spätere Risse in den Fugen.
- Zweite Spachtelung (Abziehspachtelung): Trage eine weitere Schicht Füllspachtel über dem Armierungsband auf und ziehe die Fläche glatt ab. Auch die Schraubenlöcher erneut überspachteln.
- Trocknungszeit: Lasse die Spachtelmasse vollständig trocknen. Je nach Produkt und Raumklima dauert das 12 bis 24 Stunden. Halte dich an die Herstellerangaben.
- Dritte Spachtelung (Feinspachtel): Für eine besonders glatte Oberfläche trägst du eine dünne Schicht Feinspachtel auf. Das gleicht letzte Unebenheiten aus. Lass auch diese Schicht gut trocknen.
Rigips schleifen: Für eine makellose Oberfläche
Nachdem die Spachtelmasse vollständig durchgetrocknet ist, geht es ans Schleifen. Dieser Schritt ist entscheidend für eine wirklich ebene Wand.
Wie du Rigips richtig schleifst
Verwende ein Schleifbrett mit feinem Schleifpapier (Körnung 120-180). Schleife die gespachtelten Stellen vorsichtig und gleichmäßig, bis sie sich nicht mehr von der Rigipsplatte abheben. Achte darauf, nicht zu viel Material abzutragen, um keine Vertiefungen zu erzeugen. Auch beim Holz schleifen ist die richtige Körnung entscheidend.
Nach dem Schleifen entfernst du den Schleifstaub gründlich mit einem Besen oder Staubsauger. Anschließend ist eine Grundierung der gesamten Rigipsfläche empfehlenswert. Diese gleicht die Saugfähigkeit der Platte und der gespachtelten Stellen aus und sorgt für einen gleichmäßigen Untergrund für Farbe oder Tapete. So streichst du später ohne Streifen.
Was kostet eine Rigips-Trockenbauwand?
Die Kosten für eine Rigips-Trockenbauwand hängen stark von der Größe der Wand, der Art der verwendeten Platten und Profile sowie von eventueller Dämmung ab. Als grobe Richtlinie kannst du mit folgenden Materialkosten rechnen:
Hinzu kommen noch die Kosten für Werkzeuge, falls du diese noch nicht besitzt. Wenn du einen Handwerker beauftragst, liegen die Kosten pro Quadratmeter (inklusive Material und Arbeitszeit) laut Experten bei etwa 40 bis 70 Euro, je nach Region und Aufwand.
Häufige Fehler beim Rigips verarbeiten und wie du sie vermeidest
Auch beim Rigips verarbeiten schleichen sich schnell Fehler ein. Hier sind die häufigsten und wie du sie umgehst:
- Fehlende Planung: Ohne genaue Skizze und Materialliste können dir wichtige Teile fehlen oder du kaufst zu viel. Nimm dir Zeit für die Planung.
- Ungenaues Ständerwerk: Wenn das Gerüst schief ist, wird auch deine Wand schief. Arbeite immer mit Wasserwaage und Richtlatte.
- Falscher Schraubenabstand oder -tiefe: Zu wenig Schrauben oder zu tief versenkte Schraubenköpfe mindern die Stabilität oder lassen den Karton reißen. Halte dich an die empfohlenen Abstände und nutze einen Tiefenanschlag.
- Kein Armierungsband: Ohne Fugenband entstehen fast immer Risse in den Spachtelfugen. Es ist unerlässlich!
- Zu wenig Spachtelmasse: Spare nicht am Material. Die Fugen müssen satt gefüllt sein.
- Ungeduld beim Trocknen: Wenn du zu früh schleifst oder die nächste Schicht aufträgst, entstehen unschöne Unebenheiten oder die Spachtelmasse reißt. Halte die Trocknungszeiten ein.
- Mangelnde Grundierung: Ohne Grundierung saugt der Rigips die Farbe ungleichmäßig auf, was zu Flecken führt.
Rigips selber machen oder den Profi beauftragen?
Das Rigips verarbeiten ist für handwerklich begabte Anfänger gut machbar. Besonders einfache, gerade Wände lassen sich mit dieser Anleitung gut selbst bauen. Du sparst dabei deutlich an Arbeitskosten.
Es gibt jedoch Situationen, in denen der Fachmann die bessere Wahl ist:
- Komplexe Konstruktionen: Wenn du Rundungen, Nischen oder sehr hohe Wände planst.
- Spezielle Anforderungen: Bei hohem Schallschutzbedarf, Brandschutzauflagen oder extremen Feuchträumen (z.B. Saunen) sind spezielle Kenntnisse und Materialien nötig. Die Hersteller wie Rigips bieten hierfür detaillierte Systemlösungen an.
- Zeitdruck oder fehlende Werkzeuge: Wenn dir die Zeit oder die nötige Ausrüstung fehlt, ist der Profi oft die effizientere Lösung.
Für einfache Raumtrennungen ist das selber machen jedoch eine lohnende und günstige Alternative. Weitere Tipps zum Trockenbau findest du auch auf Bauen.de.
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FAQ: Häufige Fragen zum Rigips verarbeiten
Kann ich Rigips direkt auf die Wand kleben?
Ja, das ist möglich, besonders bei kleineren Flächen oder zum Ausgleichen von Unebenheiten. Man spricht dann von Trockenputz. Die Platten werden mit einem speziellen Ansetzbinder direkt an die Wand geklebt. Die Wand muss dafür tragfähig, sauber und eben sein.
Welche Schrauben für Rigipsplatten?
Du benötigst spezielle Schnellbauschrauben für Gipskartonplatten. Sie haben einen Trompetenkopf, der sich sauber in die Platte versenkt. Es gibt sie in verschiedenen Längen, passend zur Plattendicke und zur Art des Ständerwerks (Holz oder Metall).
Wie lange muss Spachtelmasse trocknen?
Die Trocknungszeit hängt stark vom Produkt, der Schichtdicke und den Umgebungsbedingungen (Temperatur, Luftfeuchtigkeit) ab. Rechne mit 12 bis 24 Stunden pro Schicht. Halte dich unbedingt an die Herstellerangaben auf der Verpackung.
Wie kann ich Rigips-Schallschutz verbessern?
Für besseren Schallschutz kannst du mehrere Maßnahmen ergreifen: Dämmmaterial (Mineralwolle) in das Ständerwerk einlegen, doppelt beplanken (zwei Lagen Rigips pro Seite) und Dichtungsbänder unter den Profilen verwenden. Eine entkoppelte Unterkonstruktion oder spezielle Schallschutzplatten helfen zusätzlich.
Brauche ich immer eine Grundierung auf Rigips?
Ja, eine Grundierung ist auf Rigipsflächen fast immer notwendig. Sie gleicht die unterschiedliche Saugfähigkeit der Gipskartonfläche und der gespachtelten Bereiche aus. Ohne Grundierung kann es zu fleckigen Farbergebnissen oder Problemen beim Tapezieren kommen.
Fazit
Das Rigips verarbeiten ist ein Heimwerkerprojekt, das du mit der richtigen Anleitung und etwas Geduld gut meistern kannst. Eine sauber gebaute Trockenbauwand schafft nicht nur neue Räume, sondern erhöht auch den Wohnkomfort. Achte auf eine exakte Planung, ein stabiles Ständerwerk und sorgfältiges Spachteln und Schleifen. So steht deiner neuen Wand nichts mehr im Weg.



