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Fensterkitt erneuern: Anleitung für dichte Fenster (2026)

02. Mai 2026 · Maik Möhring

Alte Holzfenster haben Charme, doch oft ist ihr Fensterkitt rissig oder bröselig. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern lässt auch Zugluft und Feuchtigkeit rein. Zeit, den Fensterkitt zu erneuern und deine Fenster wieder fit zu machen!

In dieser Anleitung erfährst du, wie du alten Fensterkitt richtig entfernst, den Untergrund vorbereitest und neuen Kitt fachgerecht aufträgst. Mit den richtigen Werkzeugen und etwas Geduld schaffst du das auch als Anfänger.

fensterkitt erneuern – Fensterkitt entfernen – Person arbeitet alten Fensterkitt mit Stechbeitel und Heißluftföhn aus Holzfenster
Alten Fensterkitt vorsichtig entfernen, um den Rahmen nicht zu beschädigen.
Fensterkitt erneuern bedeutet, spröde oder rissige Dichtmasse an Holzfenstern zu entfernen und durch neues Material zu ersetzen. Dies verbessert die Wärmedämmung, schützt vor Feuchtigkeit und Zugluft und verlängert die Lebensdauer der Fenster. Die Kosten für DIY liegen meist unter 50 Euro pro Fenster.

Das Wichtigste in Kürze

  • Prüfe alten Kitt auf Asbest, besonders bei Fenstern vor 1990.
  • Alten Fensterkitt vorsichtig mit Heißluftföhn und Stechbeitel entfernen, um Glas und Rahmen nicht zu beschädigen.
  • Den Untergrund gründlich reinigen, entfetten und bei Holzfenstern grundieren.
  • Leinölkitt vor dem Auftragen gut durchkneten und als Rolle in den Falz drücken.
  • Kittfase schräg abziehen, damit Wasser gut ablaufen kann und sich nicht sammelt.
  • Leinölkitt erst nach 4-8 Wochen mit elastischer Farbe überstreichen, um Runzelbildung zu vermeiden.

Warum Fensterkitt wechseln? Das sind die Vorteile

Der Fensterkitt an alten Holzfenstern ist mehr als nur eine optische Randerscheinung. Er dichtet die Glasscheibe im Rahmen ab und schützt so vor Wind, Regen und Temperaturschwankungen. Mit der Zeit wird er jedoch spröde, rissig oder bröselt sogar heraus.

Das hat mehrere Nachteile:

  • Wärmeverlust: Undichte Fenster lassen Heizwärme entweichen, was deine Heizkosten in die Höhe treibt.
  • Feuchtigkeitsschäden: Regenwasser kann eindringen und das Holz des Fensterrahmens angreifen. Das führt zu Fäulnis und Schimmel – ein Problem, das du zum Beispiel mit den Tipps zum Feuchte Wand trockenlegen lösen kannst.
  • Zugluft: Gerade im Winter zieht es unangenehm durch die Ritzen.
  • Schlechtere Optik: Rissiger Kitt sieht einfach unschön aus und mindert den Wert deiner Immobilie.

Indem du den Fensterkitt erneuerst, stellst du die Dichtigkeit deiner Fenster wieder her. Das spart nicht nur Energie, sondern schützt auch die Bausubstanz und verbessert das Raumklima.

Asbest im Fensterkitt: Was tun?

Gerade bei älteren Gebäuden, die vor 1990 gebaut wurden, kann Fensterkitt Asbestfasern enthalten. Das ist eine ernste Gesundheitsgefahr, da beim Entfernen Asbestfasern freigesetzt werden können, die krebserregend sind.

Wichtig: Wenn du dir unsicher bist, ob Asbest in deinem Fensterkitt steckt, lass ihn von einem Fachbetrieb analysieren. Verzichte auf eigene Arbeiten, wenn der Verdacht besteht oder nicht eindeutig ausgeschlossen werden kann. Nur zertifizierte Firmen dürfen asbesthaltigen Kitt entfernen.

Sollte Asbest im Kitt festgestellt werden, muss eine spezialisierte Firma nach strengen Vorschriften (z.B. TRGS 519) vorgehen. Dazu gehören spezielle Schutzmaßnahmen, Absaugung mit H-Klasse-Saugern und eine fachgerechte Entsorgung.

Fensterkitt entfernen: Werkzeuge und Tipps

Alten, harten Fensterkitt zu entfernen, erfordert Geduld und das richtige Werkzeug. Gehe dabei immer vorsichtig vor, um das Glas oder den Holzrahmen nicht zu beschädigen.

Benötigte Werkzeuge:

  • Stechbeitel / Kitt-Aushaumesser
  • Heißluftföhn oder Infrarotstrahler
  • Cutter oder scharfes Messer
  • Glasschaber
  • Schutzbrille und Arbeitshandschuhe
  • Staubsauger (Industriestaubsauger mit H-Filter bei Asbestverdacht!)

So gehst du vor:

  1. Kitt erwärmen: Harter Kitt lässt sich leichter entfernen, wenn du ihn erwärmst. Nutze dafür einen Heißluftföhn oder Infrarotstrahler. Halte genügend Abstand, um das Glas nicht zu überhitzen.
  2. Grob entfernen: Mit dem Stechbeitel oder einem speziellen Kitt-Aushaumesser kannst du den weich gewordenen Kitt vorsichtig abhebeln oder abstechen. Arbeite dich Stück für Stück vor.
  3. Feinarbeit: Kleinere Reste, die noch am Glas oder Rahmen haften, entfernst du mit einem Glasschaber oder Cutter. Achte darauf, nicht ins Holz zu schneiden.
  4. Reinigen: Sauge alle Kittreste und Staub gründlich ab. Bei Bedarf kannst du die Fugen mit einem feuchten Lappen nachwischen.
Tipp: Für schwer zugängliche Ecken oder Profile gibt es spezielle Schaber und Kitteisen, die die Arbeit erleichtern.

Untergrund vorbereiten für neuen Kitt

Ein sauberer und gut vorbereiteter Untergrund ist entscheidend für die Haftung und Haltbarkeit des neuen Fensterkitts.

  • Sauberkeit: Der Falz muss absolut sauber, trocken und fettfrei sein. Entferne alle Staub-, Farb- und Kittreste.
  • Grundierung: Bei Holzfenstern ist eine Grundierung des Falzes Pflicht. Das Holz entzieht dem Kitt sonst zu viel Öl, was ihn spröde macht. Verwende eine Alkydharz-Vorstreichfarbe oder Acryllack. Trage die Grundierung aber nicht zu dick auf, um die Poren nicht zu verschließen.
  • Trocknungszeit: Lass die Grundierung vollständig trocknen, bevor du mit dem Auftragen des neuen Kitts beginnst.
fensterkitt erneuern – Fensterkitt auftragen – Person drückt neuen Leinölkitt in den Falz eines Holzfensters mit einem Kittmesser
Den neuen Fensterkitt sauber und gleichmäßig in den Falz drücken und abziehen.

Fensterkitt auftragen: Schritt für Schritt zum perfekten Ergebnis

Jetzt kommt der wichtigste Teil: den neuen Fensterkitt richtig auftragen. Traditionell wird Leinölkitt verwendet, der aus Schlämmkreide und Leinölfirnis besteht.

  1. Kitt vorbereiten: Nimm den Leinölkitt aus der Verpackung und knete ihn gut durch, bis er handwarm und geschmeidig ist. Das dauert etwa fünf Minuten. Ist er zu weich, kühle ihn kurz im Kühlschrank. Ist er zu ölig, wickle ihn in Küchenpapier.
  2. Rolle formen: Forme aus dem gekneteten Kitt eine dünne Rolle, ähnlich wie beim Backen.
  3. Kittbett anlegen: Lege die Kittrolle in den Fensterfalz und drücke sie fest an. Achte darauf, dass der Kitt die Scheibe gut umschließt und keine Lücken entstehen.
  4. Kitt abziehen: Mit einem Kittmesser oder Spachtel ziehst du den überschüssigen Kitt in einem Winkel von etwa 45 Grad ab. Ziel ist eine gleichmäßige, schräge Fase, die das Wasser vom Fenster ableitet. Übung macht hier den Meister!
  5. Ecken bearbeiten: In den Ecken ziehst du das Kittmesser ebenfalls im 45-Grad-Winkel nach innen ab, um eine saubere Verbindung zu schaffen.
  6. Reste entfernen: Entferne sofort überschüssigen Kitt vom Glas und Rahmen, bevor er antrocknet. Kreidepulver oder Talkum helfen, Ölspuren zu beseitigen.

Fensterkitt trocknen und überstreichen

Leinölkitt benötigt eine längere Trocknungszeit als viele moderne Dichtstoffe. Hier ist Geduld gefragt!

Aspekt Details
Hautbildung Nach 1-2 Wochen bildet sich eine oberflächliche Haut.
Vollständige Aushärtung Kann 4-8 Wochen dauern, je nach Schichtdicke, Temperatur und Luftfeuchtigkeit.
Überstreichbarkeit Erst nach 7-21 Tagen, idealerweise nach 4-8 Wochen, wenn der Kitt nicht mehr mit dem Fingernagel verformbar ist.
Geeignete Farben Elastische Lacke und Farben auf Naturölbasis sind ideal.

Ein zu frühes Überstreichen kann zu unschöner Runzelbildung führen. Achte darauf, dass während der Trocknungszeit kein Schwitzwasser in das Kittbett eindringt.

Fensterkitt erneuern: Was kostet es?

Die Kosten für das Erneuern von Fensterkitt halten sich im Rahmen, besonders wenn du es selbst machst.

  • Materialkosten (DIY): Ein Kilo Leinölkitt kostet etwa 3,50 Euro. Für ein Standardfenster benötigst du je nach Größe und Falzbreite etwa 100-150 Gramm pro Meter Kittfalz. Rechne mit Materialkosten von unter 20 Euro pro Fenster, wenn du auch Grundierung und Werkzeuge einrechnest.
  • Durch den Profi: Lässt du den Fensterkitt von einem Fachbetrieb erneuern, liegen die Kosten pro Standardfenster zwischen 60 und 70 Euro. Der Großteil davon entfällt auf die Arbeitszeit, die pro Fenster etwa eine Stunde beträgt.

Das Selbermachen ist also deutlich günstiger und eine gute Möglichkeit, Geld zu sparen. Bei größeren Projekten oder wenn du dir unsicher bist, ist ein Fachmann aber immer die sichere Wahl.

Fensterkitt vs. Silikon und Acryl: Der Vergleich

Neben dem klassischen Leinölkitt gibt es moderne Alternativen wie Silikon und Acryl. Doch nicht jedes Material ist für jede Anwendung geeignet.

Merkmal Leinölkitt Silikon Acryl
Zusammensetzung Kreide & Leinöl Synthetisch Synthetisch
Trocknungszeit Wochen bis Monate Stunden Stunden
Elastizität Bleibt lange elastisch, härtet aber aus Sehr elastisch Mittel, weniger als Silikon
Überstreichbar Ja, nach langer Trocknung Nein Ja
Anwendungsbereich Holz- und Metallfenster, Denkmalpflege Moderne Fenster, Anschlussfugen Risse in Putz, Holz, innen

Für traditionelle Holzfenster ist Leinölkitt oft die beste Wahl, da er optisch passt und sich gut in bestehende Strukturen integrieren lässt. Silikon und Acryl sind flexibler und schneller zu verarbeiten, aber nicht für historische Fenster geeignet. Ein Spezial-Fensterkitt auf Kunstharzbasis kann eine Alternative sein, wenn eine kürzere Trocknungszeit gewünscht ist.

Häufige Fehler beim Fensterkitt erneuern

Damit dein Projekt gelingt, vermeide diese häufigen Fehler:

  • Unzureichendes Entfernen des alten Kitts: Reste des alten Kitts können die Haftung des neuen Materials beeinträchtigen. Nimm dir hierfür ausreichend Zeit.
  • Fehlende Grundierung: Bei Holzrahmen ist die Grundierung essenziell, sonst entzieht das Holz dem Kitt zu viel Öl und er wird spröde.
  • Zu frühes Überstreichen: Das führt zu unschönen Runzeln und beeinträchtigt die Haltbarkeit. Halte die Trocknungszeiten unbedingt ein.
  • Falsche Kittfase: Eine nicht schräge Kittfase lässt Wasser stehen, was zu Feuchtigkeitsschäden führen kann. Ziehe den Kitt immer wasserablaufend ab.
  • Arbeit bei ungünstigem Wetter: Vermeide das Erneuern des Fensterkitts bei Regen oder sehr hoher Luftfeuchtigkeit, da dies die Trocknung negativ beeinflusst.

FAQ: Häufige Fragen zum Fensterkitt wechseln

Wie oft muss Fensterkitt erneuert werden?

Leinölkitt kann Jahrzehnte halten, wenn er regelmäßig gepflegt und überstrichen wird. Spätestens wenn er spröde wird, Risse zeigt oder bröselt, ist eine Erneuerung nötig.

Kann ich Fensterkitt selber machen?

Fensterkitt besteht traditionell aus Schlämmkreide (ca. 75 %) und Leinölfirnis (ca. 25 %). Du könntest die Komponenten mischen, aber fertiger Kitt aus dem Baumarkt ist meist einfacher zu verarbeiten und in der Qualität gleichbleibender.

Welche Temperatur ist ideal für die Verarbeitung?

Optimal sind Temperaturen zwischen 10 und 25 Grad Celsius. Vermeide direkte Sonneneinstrahlung und Frost, da dies die Verarbeitung und Trocknung beeinflusst.

Was tun, wenn der Kitt nicht härtet?

Leinölkitt benötigt Sauerstoff zum Aushärten. Sorge für gute Belüftung. Zu frühes Überstreichen oder zu dicke Schichten können die Trocknung ebenfalls verzögern. Bei Doppelfenstern dürfen diese nicht sofort nach dem Verglasen zusammengebaut werden.

Wie entsorge ich alten Fensterkitt?

Normaler, asbestfreier Fensterkitt kann im Hausmüll entsorgt werden. Bei Verdacht auf Asbest muss der Kitt als gefährlicher Abfall entsorgt werden. Informiere dich bei deiner lokalen Abfallwirtschaft. Produktreste im eingetrockneten Zustand können in den Hausmüll gegeben werden.

Brauche ich spezielle Pinsel zum Überstreichen?

Für das Überstreichen der Kittfase eignen sich weiche Pinsel, wie zum Beispiel schräge Künstlerpinsel, besonders gut, um ein sauberes Ergebnis zu erzielen.

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Fazit

Fensterkitt erneuern ist ein lohnendes Projekt, das deine alten Holzfenster nicht nur optisch aufwertet, sondern auch funktional wiederherstellt. Du schützt dein Zuhause vor Witterungseinflüssen, sparst Heizkosten und trägst zum Werterhalt bei. Mit der richtigen Vorbereitung und den passenden Werkzeugen ist diese Arbeit auch für Heimwerker gut machbar. Nimm dir Zeit, arbeite sorgfältig und freue dich auf dichte, schöne Fenster.

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